Weezer Fast schon langweilig
Als Rivers Cuomo, Patrick Wilson, Brian Bell und Matt Sharp (der später die Rentals gründete und inzwischen durch Mikey Welsh ersetzt wurde) 1993 in Los Angeles als Weezer zusammenfanden und im Jahr darauf unter Aufsicht des ehemaligen Cars-Sängers Ric Ocasek ihr Album-Debüt "Weezer" veröffentlichten, staunte die alternative Musik-Szene nicht schlecht: Die vier unscheinbaren Nerds spielten betont gelangweilt unnachahmlich euphorisierende Power-Pop-Stücke, die irgendwo zwischen Teenage Fanclub, Sonic Youth, Pixies, Beach Boys und frühen Beatles changierten und sich inmitten des langsam verblassenden Grunge-Hypes allein auf weiter Flur befanden.
Nicht nur das relaxte "Undone - The Sweater Song", dessen prägnantes Riff die Bloodhound Gang Jahre später plump in ihrem Dorfdisco-Renner "Fire Water Burn" zitierte, sondern vor allem "Buddy Holly", mehr Fluch als Segen und von Songwriter Rivers Cuomo und dem Rest der Band eher als Bürde empfunden, machte das Quartett schnell bekannt. Weezer wurden schnell zu der Band, auf die sich (fast) alle einigen konnten.
Das 1996 veröffentlichte "Pinkerton", ein kommerzieller Beinahe-Flop, der, wie schon das Debüt, zehn Stücke ohne einen einzigen Ausfall enthielt, wurde vom hypersensiblen Cuomo rückblickend als "zu persönlich" bezeichnet. Dabei waren gerade Stücke wie das vorzügliche "Pink Triangle" textlich anrührend: Cuomo findet nach endlos langer Suche endlich seine Frau fürs Leben, bevor er verzweifelt erkennen muss, das sie lesbisch ist. "Pinkerton" war ein in seiner Offenheit nahezu perfektes und unpeinliches Meisterwerk über zurückgewiesene Liebe und andere Katastrophen und schlichtweg zu gut, um ein Erfolg zu werden.
Auf dem wiederum "Weezer" betitelten dritten Album, auf das das Quartett seine Anhängerschaft beinahe fünf Jahre hat warten lassen, wollte sich Cuomo vor allem "musikalisch weiterentwickeln", die Texte jedoch seien diesmal "scheiße", so der Hänfling. Die Songs jedoch sind wie erwartet allesamt großartig. Etwas gleichförmiger als "Pinkerton" ist "Weezer" tatsächlich noch kürzer (10 Stücke in 28 Minuten) und hat davon abgesehen kaum Innovatives zu bieten. Was ausnahmsweise gut so ist, denn keine andere Band schafft es, in knapp zweiminütigen Stücken so effektiv und mitreißend vieles abzustrafen, was heutzutage "Emo-Core" genannt wird.
Schon der Opener "Don't Let Go" ist ein Riesenhit, das darauf folgende, mit Handclaps ausgestattete "Photograph" ebenfalls und so geht es weiter mit Melodien, die nach den Sternen greifen. "O Girlfriend", schmerzlicher Rückblick auf eine gescheiterte Beziehung, ist exemplarisch für die latente Traurigkeit und Verlorenheit, die man in fast allen Weezer-Stücken findet, aber ob der packenden musikalischen Untermalung oftmals vergisst.
Rivers Cuomos Eltern sind Massage-Therapeuten in Connecticut. Zur langen Pause seiner Band bemerkt er arglos: "We did nothing and somehow we're more popular than ever". Fast schon langweilig.
Weezer: "Weezer" (Geffen/Universal), veröffentlicht am 21. Mai 2001