Wunder von Weimar Bach-Komposition entdeckt
Leipzig/Weimar - Wie die Stiftung Bach-Archiv am Dienstag in Leipzig mitteilte, handelt es sich bei dem gefundenen Vokalwerk um eine Strophenarie, die anlässlich des 52. Geburtstags von Herzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar entstand. Der Wissenschaftler Michael Maul vom Leipziger Bach-Archiv entdeckte die bisher unbekannte Komposition in den Beständen der Weimarer Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Es sei der einzige Beitrag Bachs zu der um 1700 bedeutsamen musikalischen Gattung der Strophenarie.
Dass der Welt das Bach-Werk überhaupt noch präsentiert werden kann, grenzt an ein Wunder, wie der Direktor der Stiftung, Christoph Wolff, sagte: Die von Bach eigenhändig notierte Komposition befand sich glücklicherweise in einer Sammlung von Drucken, die kurz vor dem verheerenden Brand im vergangenen September in die Restaurierungswerkstatt der Bibliothek gebracht worden war. "Ansonsten wäre das Werk ein Raub der Flammen geworden, und man hätte nie von seiner Existenz erfahren", sagte Wolff.
Michael Maul recherchiert im Auftrag des Bach-Archivs bereits seit drei Jahren in kirchlichen, kommunalen und staatlichen Archiven Mitteldeutschlands. Bei seiner Arbeit geht es hauptsächlich darum, Textdokumente über Leben und Wirken Bachs zusammenzutragen.
Die Sammlung von Gelegenheitsdichtungen, in der er die Bach-Komposition fand, war bereits Anfang der neunziger Jahre auf dem Dachboden der Weimarer Bibliothek entdeckt worden. Bach schrieb die Musik zu einem zwölfstrophigen Gedicht von Johann Anton Mylau, das dieser dem Herzog Wilhelm Ernst und dessen Wahlspruch "Alles mit Gott und nichts ohn' ihn" gewidmet hatte.
Bei dem Fund handelt es sich laut Bach-Archiv um eine in sich geschlossene Komposition. Es sei kein größeres Werk, sondern ein "Gelegenheitswerk erlesener Qualität." Dass die Komposition eindeutig von Johann Sebastian Bach stamme, habe ein Handschriftengutachten eindeutig festgestellt. Bach (1685-1750) war zwischen 1708 und 1717 Hoforganist in Weimar. Da das Werk genauestens datiert sei, sei es auch für die weitere Bach-Forschung von Bedeutung, da es die nähere Datierung auch anderer Werke des Komponisten ermögliche und Rückschlüsse über die stilistische Entwicklung des Barock-Künstlers zulasse.