Yello: Interview mit Boris Blank - DER SPIEGEL
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Interview mit Boris Blank: "Ich bin die Musik bei Yello"

Foto: AP/ Extreme Music

Interview mit Boris Blank "Eine Tour? Nein. Nein. Nein."

Nach 35 Jahren als eine Hälfte des Duos Yello veröffentlicht der Schweizer Elektronik-Musiker Boris Blank sein erstes Album ohne Dieter Meier. Auf Tournee mag er immer noch nicht gehen. Auf der Bühne schickt er Malia vor, seine Partnerin bei diesem Projekt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Boris Blank, 62, produziert seit Ende der siebziger Jahre mit Dieter Meier als Yello elektronische Popmusik. Ihre Platten verkauften sich millionenfach, und Songs wie "Oh Yeah" und "The Race" surrten in Hollywood-Hits ("Ferris macht blau") und US-TV-Serien wie "The Simpsons".

KulturSPIEGEL: Herr Blank, bisher produzierten Sie Ihre Beats und Melodien exklusiv für Ihren Yello-Partner Dieter Meier. Nun erscheint Ihr Album "Convergence" mit der Sängerin Malia. Warum?

Blank: Dieter Meier und ich sind kein Paar, das tagtäglich gemeinsam Songs einübt. Ich bin der Verwurzelte von uns zweien, und Dieter ist viel unterwegs. In meinem Studio in Zürich arbeite ich immer an neuen Songs. Wenn etwas fertig ist, lade ich Dieter ein, sich in diese Klanggebäude einzufügen. Aber es gibt immer mal wieder Stücke, wo er sagt: "Ach Boris, das ist Musik, in der ich mich nicht wohlfühle." Damit meint er Songs, die mehr zu einer femininen Stimme passen, und die dann ausgemustert werden. Als mich Malia vor längerer Zeit fragte, ob wir etwas zusammen machen wollen, dachte ich an diese Stücke.

KulturSPIEGEL: Im Gegensatz zu Ihrem Yello-Kollegen Dieter Meier ist Malia eine richtige Sängerin. Macht das einen Unterschied?

Blank: Das sind einfach zwei sehr verschiedene Herangehensweisen. Dieter versteht sich nicht als ein virtuoser Sänger, er ist eher ein Schauspieler, der sich in Klängen bewegt. Natürlich ist es für mich auch eine Bereicherung, mal mit jemandem zu arbeiten, der wirklich singt, so wie Malia.

KulturSPIEGEL: Hatten Sie mal Angst, dass Ihr Album mit Malia zu sehr nach Yello klingt?

Blank: Die Frage stellt sich so nicht. Ich bin die Musik bei Yello. Und ich kann doch nicht auf einmal anders klingen, als ich klinge. Wie soll das gehen? Aber natürlich versuche ich mich weiterzuentwickeln. Denn stehen zu bleiben ist schrecklich.

KulturSPIEGEL: Ihre Festplatten sind gefüllt mit unveröffentlichten Songs. Würden Sie gerne mehr Musik veröffentlichen?

Blank: Dieter würde gerne mehr Yello-Produkte veröffentlichen. Ich bin zwar produktiv, aber leider ein großer Perfektionist, und es fällt mir sehr schwer, ein Stück Musik loszulassen. Aber was das angeht, bin ich zuletzt etwas lockerer geworden. Trotzdem glaube ich, dass die kleinsten Details viel Einfluss auf den Sound haben, der Yello ausmacht.

KulturSPIEGEL: In diesem Frühjahr erscheint noch "Avant Garden", ein weiteres Soloalbum von Ihnen. Woher der plötzliche Tatendrang?

Blank: "Avant Garden" ist etwas ganz anderes und nicht meine Initiative. Das sind Stücke aus den vergangenen 25 Jahren, die ich nicht verwenden konnte und nach denen mich ein alter Bekannter fragte. Ich wählte einige aus und restaurierte sie. Ja, es ist ein sehr produktives Jahr für mich. Im späten Sommer soll auch das neue Yello-Album fertig werden. Ich bin jetzt über 60 und habe noch nie so viel gearbeitet.

KulturSPIEGEL: Gehen Sie jeden Tag in Ihr Studio wie andere Menschen ins Büro?

Blank: Ich tauche fünf Tage die Woche gegen 9 Uhr im Studio auf. Mittags esse ich einen Salat, dann geht es weiter von 13 Uhr bis vielleicht 17 oder 18 Uhr. Bei schönem Wetter mache ich zwischendurch auch mal einen Spaziergang oder fahre mit dem Rad, um gesund zu bleiben. Ja, mein Arbeitstag ist geregelt.

KulturSPIEGEL: Stört es Sie, wenn Ihre Musik aus dem Internet ohne Bezahlung runtergeladen wird?

Blank: Schwierig. Wir hatten das Glück, ein paar Millionen Platten zu verkaufen. Aber wenn ein Bäcker Brot online stellen könnte, aber sein Brot nicht mehr bezahlt würde, sondern umsonst vom Internet gefressen, dann könnte er kein Mehl mehr kaufen. Nachwuchsmusiker haben es heutzutage schwer.

KulturSPIEGEL: Vor einem Jahr produzierten Sie das Album "The Key To Perfection" mit unbekannten Versionen alter Yello-Songs exklusiv für Volkswagen. Warum?

Blank: Yello lebt auch deshalb noch, weil wir oft für Werbung gebucht werden. Gerade kam wieder eine Anfrage aus Chile für "Oh Yeah". Wenn es nicht Alkohol oder Zigaretten sind, sagen wir meistens zu. So überleben wir ganz gut von alten Ideen wie "Oh Yeah" oder "The Race".

KulturSPIEGEL: Sie gelten als sehr schüchtern. Die Yello-Konzerte kann man an einer Hand abzählen. Nun wird Malia mit den Songs auf Tour gehen. Sind Sie dabei?

Blank: Nein. Nein. Nein. Das war nie meine Welt, auf einer Bühne zu stehen. Aber meine Sounds werden dabei sein. Das reicht.


Malia und Boris Blank: Convergence. Boutique/Universal; 15,99 Euro.
Tournee von Malia & Band ab 20.2. Karten: Karsten Jahnke Konzertdirektion .

Das Interview führte Christoph Dallach