Zappa-Bildband: Detaillierte Bestandaufnahme
Zappa-Bildband Objektologe am Werk
Der Schriftsteller Ian Rankin war mal -Fan, bis ihm dessen Alben "Lumpy Gravy" und "Uncle Meat" in die Quere kamen. "Die waren schrill, lärmig und endlos. Ich versuchte sie zu mögen. Ich dachte, der Fehler liegt bei mir. Ich probierte, mich da reinzuhören. Aber schließlich gab ich sie weg. Wenn man älter wird, merkt man, dass das Leben zu kurz ist für solche Herausforderungen."
Der 1993 verstorbene Amerikaner Frank Vincent Zappa, in der Regel kurz Zappa genannt, gilt als verqueres Genie der Rockmusik. Viele seiner versponnenen, oft radikalen und meist eindrucksvollen Kompositionen, in denen er Rock mit moderner Klassik, Jazz und allerlei Irrsinn kreuzte, gelten als Meisterwerke der Avantgarde. Trotzdem war Zappa auch immer ein Popstar, der sich virtuos als Figur in Szene setzte. Und wahrscheinlich ist der Name Zappa in diesem Jahrtausend bekannter als seine Platten (in Berlin ist sogar eine Straße nach ihm benannt), denn einige seiner Werke sind für Menschen mit normalen Hörgewohnheiten eine Herausforderung.
Ein verrückter Mix aus Bilderbuch und Katalog
Die interessanteste und angemessenste Veröffentlichung zu Zappas 70. Geburtstag, der im Dezember 2010 war, ist der aberwitzige Bildband "Grand Zappa". Der Zappaloge Frank Wonneberg hat für dieses opulente, großformatige Werk enorm viele Bilder und teils exotische Details über die von Zappa veröffentlichten Tonträger zusammengestellt.
Das lohnte allein deshalb, weil der umtriebige Künstler zu Lebzeiten 45 Alben veröffentlichte, also viel mehr als alle seine berühmten Kollegen. Außerdem war Zappa weltweit erfolgreich, was eine Flut von oft obskuren Veröffentlichungen an entlegenen Teilen des Planeten nach sich zog. Frank Wonneberg liefert keine weitere Biografie oder neunmalkluge Deutung von Zappas Wirken, sondern vielmehr einen verrückten Mix aus Bilderbuch und Katalog. "Vinyl Objektologie" nennt das der Zappa-Experte Ben Watson im Vorwort. Gemeint ist eine sagenhaft detaillierte Bestandsaufnahme aller legaler Zappa-Veröffentlichungen. Jedem Album werden hier bunte, vollbebilderte Seiten gewidmet.
So wie dem Klassiker "Hot Rats". Auf der ersten Seite sind "Hot Rats"-Platten-Cover aus Frankreich, Mexiko, Argentinien und Brasilien zu bewundern. Dann folgen sechs Seiten mit abfotografierten Plattenlabels (dem runden Stück Papier, in dessen Mitte das Loch zum Auflegen ist) aus aller Welt. Außerdem wurden die einzelnen Rillen der Tonträger abgelichtet, und obendrein werden Fakten von der Katalognummer bis zum Gewicht der Platten geliefert. Kurze Texte zur Musik, den Aufnahmen und Pressungen ergänzen das spinnerte Vergnügen. "Wenn ich mir ansehe, was Wonneberg gemacht hat, bekomme ich Herzklopfen, es ist vergleichbar mit Heinrich Schliemanns Entdeckung des wahren Standorts von Troja: unbestreitbare Tatsachen, alle anderen Erkenntnisse zu dem Thema zerfallen zu Asche", schwärmt Ben Watson.
Toll ist auch der Umschlag des Buches, den Cal Schenkel entwarf, der Künstler, der für die Hüllen zahlreicher berühmter Zappa-Platten verantwortlich war. Letztlich ist das Werk ein furioses Vergnügen für alle Zappa-Spezialisten und ein irres Bilderbuch für normale Menschen. Frank Zappa hätte daran garantiert seine Freude gehabt.