Zur Person: Bob Dylan - DER SPIEGEL
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Zur Person Bob Dylan

Bob Dylan wurde als Heilsbringer angebetet und als Verräter verdammt, zum genialen Erneuerer verklärt und als gerissener Nachäffer verhöhnt.
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Seine Stimme sei grässlich, hieß es, und doch die eines großen Verführers; seine Lyrik glatt unverständlich, aber reif für den Literatur-Nobelpreis sei sie auch: "Wenn ich's nicht jedem recht machen kann, dann vielleicht besser gar keinem" ­ dieses schöne, trotzige Motto stellte Bob Dylan schon 1973 einem Buch mit "Texten und Zeichnungen" voran.

Heute, mit 60 Jahren, scheint es der Musiker Dylan, der als Robert Allen Zimmerman geboren wurde, verdammt vielen fast schon verdächtig recht zu machen. Er durfte beim Papst und vor einem leibhaftigen amerikanischen Präsidenten zum Kratzfuß antreten, man hat ihn mit Doktorhüten, einem Oscar und dem französischen "Ordre des Arts et Lettres" dekoriert, sie huldigen ihm auf MTV und ­ mit einem Geburtstagsgruß des Industriellenchefs Hans-Olaf Henkel ­ in der "Financial Times Deutschland". Und auch mit seiner Musik findet Dylan plötzlich wieder Gnade vor den Ohren der Welt.

Sein 1997 veröffentlichtes Studioalbum "Time out of Mind" war ein Überraschungserfolg bei Kritikern und CD-Käufern, und auch das in dieser Woche erscheinende Werk "Love And Theft" wird bereits als großer Alterswurf gerühmt: In karg arrangierten, wunderbar lässigen und allesamt selbst verfassten Songs huldigt Dylan dem Country-Swing und anderen traditionellen amerikanischen Musikformen aus der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts.

Seit dem Beginn seiner Karriere Anfang der Sechziger mag sich der Sänger äußerlich gewandelt haben von einem bleichen, strahlend schönen, existenzialistisch dreinblickenden Jüngling zu einem Zausel mit merkwürdiger Unfrisur und einem "Kenn-ich-nicht-waschich-nicht-Gesicht", wie es ein Kritiker mal ausdrückte: In seiner nicht bloß künstlerischen Eigenbrötelei jedoch scheint er sich ebenso treu geblieben zu sein wie mit seinem Sinn für absurde Komik. In Rom jedenfalls präsentierte sich Dylan vor einigen Wochen gut gelaunt und zu allerlei Späßen aufgelegt vor rund einem Dutzend europäischer Journalisten. Als sich im Gruppengespräch einer der Interviewer heillos in einer Frage nach dem Wesen des neuen Albums verhedderte und mit der Formulierung endete "Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei oder das Subjekt oder die Worte?", antwortete Dylan mit schelmischem Gesichtsausdruck: "Was wollen Sie? Bin ich hier der Idiot oder Sie? Ich bemühe mich ja, Ihnen zu folgen, aber worum geht es?"