»Mutter Courage«
heißt ein schöner autobiographischer Text des Theatermachers George Tabori. Er berichtet, wie Taboris Mutter im Sommer 1944 den Güterzug von Budapest nach Auschwitz bestieg, beim ersten Zwischenhalt an der Grenze aber einen jungen SS-Offizier dazu überredete, sie nach Hause zurückzuschicken. Diese diskrete, fast skizzenhafte Erzählung hat der Regisseur Michael Verhoeven zu einem, jetzt im Berlinale-Programm gezeigten, Spielfilm aufgedonnert, der mit Verhoevens bekannt trampeliger Penetranz den Nationalsozialismus dämonisiert. Da insgesamt vier Fernsehanstalten und vier Filmförderungsgremien ihr Geld in dieses platte Gesinnungswerk gesteckt haben, das im Januar schon den Bayerischen Filmpreis gewann, ist zu fürchten, daß es nun viele Schulklassen absitzen müssen.