Mutter privat - DER SPIEGEL
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BÜCHER Mutter privat

Gabriele Wohmann: »Ausflug mit der Mutter«. Luchterhand; 138 Seiten; 20 Mark.
• aus DER SPIEGEL 41/1976
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Mehr als sonst bin ich festgenagelt vom Eindruck, diese ganzen ... Sätze, sie gehen keinen was an außer mir.« Mehrfach betont Gabriele Wohmann, dieser Roman behandele ihre hochsteigenen Privatangelegenheiten, und sie betont das mit einer seltsamen Abwehr-Empörung, als wollte sie von der zudringlichen Leserschaft gefälligst in Ruhe gelassen werden.

Obwohl sie aber das Buch, das »ein ganz sanftes, deutliches, gütiges Porträt der Mutter« werden sollte, veröffentlicht hat, sind die Mitteilungen über das Leben der Witwe und alleinstehenden Frau von Anfang 70 so alltäglich und wahllos, daß der nicht zum Kreis der Familie Gehörige während der Lektüre das Gefühl, nur Bahnhof zu verstehen, nicht loswird.

Daß es »der Mutter guttut, wenn der Schwiegersohn bei ihr ist«, oder daß die Mutter »nicht mehr mit der Elektrischen zur Bus-Station fährt«, solche nichtssagenden Einzelheiten zählt Gabriele Wohmann vielsagend auf, als ob sie beim Familientag von der Mutter erzählte.

Die Hauptfigur des Romans wird einfach als bekannt vorausgesetzt, sie bleibt bis zur letzten Seite eine leblose. zufällige Person ohne Vorgeschichte und mit Altersangabe, eine Person, die mit jedem Satz mehr sich zum leeren Code- und Zauberwort »Mutter« verflüchtigt, das durch ein bißchen »Feldwegglück« (die Mutter fand es), »Sherry im Kaminzimmer« (den trinkt die Mutter so gern) und Schuberts »Schöne Müllerin« ("Eine Musik, die zum Denken an meine Mutter paßt") stilecht illustriert wird.

Statt die Mutter in einem Lebenszusammenhang darzustellen, in dem ihre Verhaltensweisen und Vorlieben nicht als zufällige Belanglosigkeiten erschienen wären, kittet die Autorin ihre zusammenhanglosen Notizen über Zoobesuche, Reisen, häusliche Gewohnheiten oder versäumte Zahnarzttermine der Mutter durch die ständig wiederkehrende inbrünstige Beteuerung, sie nehme nun endlich die Mutter ernst. »Warum bin ich nicht längst darauf gekommen, über die Mutter zu schreiben?«

Warum es für Gabriele Wohmann plötzlich so überlebenswichtig ist, sich schreibend um ihre Mutter zu »kümmern«, das wird ebensowenig verständlich, wie die »äußere Betroffenheit«. von der die Tochter redet, in Beschreibungen fühlbar wird.

Christian Schultz-Gerstein

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