Mutterns Malaga - DER SPIEGEL
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BIOGRAFIEN Mutterns Malaga

• aus DER SPIEGEL 16/2001
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Ein ruhiges Leben in Frankfurts gehobenen Kreisen hätte es werden können: Die Heirat der Bürgermeistertochter Catharina Elisabeth Textor mit einem reichen, angejahrten Privatier war kein Liebesbund, aber eine gute Partie. Nur: Der Bräutigam hieß Johann Caspar Goethe, und Catharinas Sohn Johann Wolfgang wurde so früh ein Dichter-Star, dass sich die Mutter, unter Freunden »Frau Aja« genannt, schon bald in seinem Ruhm sonnen konnte. Oft ist ihre Geschichte erzählt worden - trotzdem ist Dagmar von Gersdorff bei den Recherchen für ihre Biografie, so erstaunlich es klingt, auf unausgewertete Dokumente gestoßen: die Rechnungsbücher, von Frau Rat Goethe seit dem ersten Schlaganfall ihres Mannes selbst geführt. Sie belegen detailliert den Lebensstandard ihres großbürgerlichen Hauses, von »100 Stück Weißkraut« zum Einmachen und »Schwartenmagen« für den Tagesbedarf bis zu Renovierungsarbeiten oder dem Eintrittsgeld für die »Komedia«. Aber auch sehr private Vorlieben kommen zu Tage: So sind die Schulden beim allwöchentlichen Kartenspiel in einem besonderen Heftchen verzeichnet, und für ihre Garderobe war der lebensfrohen Witwe das Feinste, selbst sündteure Straußenfedern, gerade gut genug. Am meisten aber opferte sie ihrer Leidenschaft, dem Theater - allein 1781 unterstützte sie die Frankfurter Truppe mit 552 Talern, das entsprach dem Jahreseinkommen eines arrivierten Mittelständlers. Ihren besonderen Liebling, den Schauspieler Unzelmann, verwöhnte Frau Aja obendrein mit Ringen oder einer goldenen Uhr, dazu gab es oft luxuriöse Gelage samt Kaffee, Wein und feinstem Naschwerk, und als sie schließlich doch gebrechlicher wurde, gönnte sie sich immer öfter ein Gläschen Malaga. Verschwendung war das alles nicht: Den Nachkommen blieben nach dem Begräbnis immer noch stattliche 44 505 Gulden.

Dagmar von Gersdorff: »Goethes Mutter. Eine Biographie«. InselVerlag, Frankfurt am Main; 464 Seiten; 49,80 Mark.

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