Neu in Deutschland
GLÜCKSSPIEL DES LEBENS (USA). Alida Valli und Joseph Cotton, das melancholische Nicht-Paar aus dem »Dritten Mann«, sind hier zum veritablen Liebespaar gereift, bleiben aber schmerzlich und verdrossen. Sie, mondäne Millionärstochter, fährt nach dem letzten Skiunfall im Rollstuhl. Er, professioneller Falschspieler, wird nach dem letzten Raubüberfall von seinem Opfer verfolgt. Die mimischen Dialoge der beiden »Verpfuschten« sind eindrucksvoller und abwechslungsreicher als der etwas redselige Austausch der gegenseitigen Leiden. Trotzdem, dank der Kriminaleinlage, einigermaßen spannend. (RKO.)
RASHOMON (Japan). Legendärer, mittelalterlicher Mord in vier Fassungen berichtet vom Mörder, einem gefürchteten Banditen, von der schönen Frau des ermordeten Samurai, die der Bandit vergewaltigt hat, von einem armen Waldhüter, dem einzigen Zeugen, und vom toten Samurai, dessen Geist durch ein Medium beschworen wird. Alle vier Aussagen widersprechen einander, der Film und der richtende Priester können »die reine Wahrheit« nicht aus dem Geflecht von Schuld und Lüge herauslösen. Für europäische Augen fremdartiger, doch faszinierender Bild- und Tonstil, wenige äußere Hintergründe: nur Wald und Tempel, die nicht ablenken. Wenige Gesichter, alle zwischen Starre und Ekstase ihren Ausdruck stufend, Schwert- und Ringkämpfe im Uebergang zum Tanztheater, viel rhythmisches Keuchen, Hohnlachen und Lustgeheul. Kenner-Sensation, auf der vorjährigen Biennale in Venedig preisgekrönt (SPIEGEL 38/1951), aber - laut Abstimmung - kein Publikumserfolg bei den Berliner Filmfestspielen. (Daiei, Tokio.)
JEDE FRAU BRAUCHT EINEN ENGEL (USA). Cary Grant als jungenhafter Himmelsbote im Sakko lenkt Schneebälle auf die Backen unfreundlicher Kinder, schmückt mit einer segnenden Gebärde den Tannenbaum und füllt durch scharfes Hinsehen halbleere Weinflaschen. Seine bescheidenen Wunder verschönen den Haushalt und vertiefen die Seelsorge eines leicht verbitterten Dekans, wobei sich der Engel beinahe irdisch in die Dekansfrau verliebt. Unbehagliches Gemisch von flauem Ulk und ernster Frömmelei. (Samuel-Goldwyn.)
OPIUMHÖLLE SHANGHAI (Frankreich). Mattes Bild der Rauschgiftsucht, an der hier eine eher sportlich wirkende, doch unglücklich vermählte Dame leidet, und kräftig konstruierter Mordfall, der erst zum Schluß durchschaubar wird. Unverändert bösartig in einer Nebenrolle: Andrews Engelmann, ehemals der Schurke und Schieber des deutschen Kriminalfilms. (Rapid.)
DEM MORGEN ENTGEGEN (Tschechoslowakei). Ein »volksdemokratisch« variiertes Thema um den Bau einer Eisenbahnstrecke: Beim Eisenbahnbau in der Tschechoslowakei 1932 bestehen die »Kapitalisten« auf Hungerlöhnen. Der Streik der Arbeiterschaft wird auseinandergetrieben, und ein Arbeiter stirbt den kommunistischen Heldentod. Schließlich werden die »kapitalistischen« Antreiber verjagt, die Arbeiterschaft stimmt den Siegesgesang an. Endlose Monologe. Tendenziös, Läuft nur in der Ostzone. (Statni.)