POP »Niemand ist so gut wie Jacques Brel«
SPIEGEL: Mademoiselle Kaas, Sie sind bekannt geworden als moderne Interpretin klassischer französischer Chansons. Auf Ihrer neuen CD »Piano Bar« singen Sie jetzt die meisten dieser Lieder auf Englisch. Ist das nicht ein Sakrileg?
Kaas: Natürlich wird es nicht allen gefallen. Einige meiner Landsleute sind da sehr empfindlich. Aber warum sollte man Jacques Brels »Ne me quitte pas« noch einmal auf Französisch aufnehmen? So gut wie Brel selbst wird das niemand mehr hinbekommen, und eine schlechte Kopie wollte ich nicht abliefern.
SPIEGEL: Zumal Sie dieses Lied auch fürs Kino singen: In Claude Lelouchs »And now ... Ladies and Gentlemen«, dem Abschlussfilm der diesjährigen Festspiele in Cannes, spielen Sie eine Sängerin. War das schwierig?
Kaas: Wie man's nimmt: Ich spiele eine Frau, die viele Enttäuschungen mit Männern erlebt hat.
SPIEGEL: Hatten Sie Zweifel, neben Profi-Schauspielern wie Jeremy Irons und Claudia Cardinale bestehen zu können?
Kaas: Ja, aber die Kollegen haben mich nie ihre Überlegenheit spüren lassen. Ich habe zu Claude gesagt: Wenn du möchtest, drehe ich eine Szene auch 50-mal.
SPIEGEL: Und - war das nötig?
Kaas: Nein, zum Glück musste ich ja auch im Film sehr viel singen. Das gab mir Sicherheit.
SPIEGEL: Viele Schauspielerinnen versuchen sich als Sängerinnen - und umgekehrt. Warum eigentlich?
Kaas: Alle Schauspielerinnen träumen davon zu singen; Sänger sind selbstkritischer. Trotzdem hat mir Madonna in »Evita« nicht besonders gut gefallen - sie singt einfach zu viel. Dafür fand ich Nicole Kidman, von der ich sonst kein großer Fan bin, in »Moulin Rouge« sehr gut. Aber die einzige Frau, vor der jede Schauspielerin und jede Sängerin gleichermaßen Hochachtung hat, bleibt Barbra Streisand.