Manchmal möchte man die Theatertür ins Schloß ziehen, ein Schild dranhängen »Wegen Desillusionierung geschlossen«, um dann nach einer neuen, anderen, besseren Welt zu suchen. Was natürlich nicht geht, es sei denn, man ist Dramatiker. Tankred Dorst zum Beispiel tourt schon ziemlich lange durch die Lande in seiner großen Lebensrolle: als Bänkelsänger der Utopie und des verfehlten Lebens. Und weil der Vielschreiber Dorst, 71, in sinnferner Zeit unermüdlich nach Sinn fragt, wird er gespielt und gespielt - nach seinem mißglückten Heine-Stück »Harrys Kopf« folgt nun am Freitag dieser Woche die zweite Dorst-Uraufführung der Spielzeit, seine Tolstoi-Variationen »Was sollen wir tun«, die am selben Abend in Bonn (Regie: Antoine Uitdehaag) und Dresden (Regie: Tobias Wellemeyer) Premiere haben. Die drei durch die Figur Tolstois miteinander verbundenen Einakter kreisen um Jungdichter, Gutsbesitzer, Akrobaten, um Menschen, die fürchten, daß sie »im ekelerregenden Luxus ihre Tage vergeuden«. Die Botschaft des braven Sinnsuchers: Wer am Wahnwitz dieser Welt nicht verrückt wird, der kann nicht ganz richtig sein im Kopf. Und nächstes Frühjahr steht schon wieder ein Dorst ins Haus, am Münchner Residenztheater: »Wegen Reichtum geschlossen«.
Dieser Ausdruck wurde am 17.10.2026 erstellt und ist ausschließlich für den persönlichen Gebrauch lizenziert.
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