Nu wird alles gut - DER SPIEGEL
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Am Rande Nu wird alles gut

• aus DER SPIEGEL 50/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die weihnachtliche Vorfreude in Berlin ist überwältigend. Mit Begeisterung werden die geflügelten Jahresendfiguren aus Schkopauer Plaste entstaubt, während ehemalige Abschnittsbevollmächtigte der DDR-Volkspolizei schon mal sicherheitshalber die Karl-Marx-Allee abschreiten: Die nächste machtvolle Mai-Demonstration kommt bestimmt. Express-Reinigungen im Wedding benennen sich in »Wäschereistützpunkt« um, und die ersten Delikat-Shops in Mitte erweitern ihr Sandwich-Angebot um den Goldbroiler-Bagel »Kalaschnikow« - doch auch »Quarkkeulchen«, »Grilletta« und »Puff-Mais« gehören wieder zur Bückware. Kulturschaffende, die die Zeichen der Zeit erkannt haben, halten Ausschau nach ihrem Lieblingskollektiv der sozialistischen Volkssolidarität, in dem die bisherigen Bürger zweiter Klasse endlich ohne Angst selbst verfasste Gedichte vorlesen können. Revolutionäre Kunst und eiserner Sparkurs - Hand in Hand. Kultur als Kombinat: Die rot-rote Koalition zwischen SPD und PDS wirft ihre Schatten voraus. Schluss mit der Debatte um den Wiederaufbau des Hohenzollern-Schlosses - der Palast der Republik ersteht in neuem Glanze! Bürgerliche Repräsentationskultur wird hier allerdings keinen Platz haben - dafür die »Pankower Prosatage«, die »Ernst-Busch-Wochen« und die »Lange Johannes-R.-Becher-Nacht« unter der Schirmherrschaft von Hermann Kant. »Der Westen verliert den Verstand« titelte schon die »Woche«. Eben. Nu wird alles gut.

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