Null als Held - DER SPIEGEL
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Film Null als Held

»Die Maske«. Spielfilm von Charles Russell. USA 1994.
• aus DER SPIEGEL 47/1994
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Das Wunderbare an Hollywood ist, so der Philosoph Peter Sloterdijk, daß »die USA ihre Hegemonie über die Medienkultur der westlichen Welt nicht nur de facto ausüben, sondern sich diese von Zeit zu Zeit mit unerwarteten Meisterwerken neu verdienen«.

Jetzt eben geschieht dies in einer Saison der Prototypen: Dem »natural born idiot« Forrest Gump trat der »natural born killer« Mickey Knox gegenüber, und hinzu kommt nun als drittes Lebens-Rollenmodell für die reifere Jugend der »natural born loser« namens Stanley Ipkiss, genannt »The Mask«.

Es handelt sich um einen Bankangestellten von so herausragender Dußligkeit, daß er vor Glubschen den Mund nicht mehr zukriegt, als diese Blondine auf ihren nichtendenwollenden Beinen hereingestöckelt kommt, um bei ihm ein Konto zu eröffnen: Sogar drei blinde Affen würden erkennen, daß die angebliche Nachtklubsängerin eine Räuberbraut beim sogenannten Ausbaldowern eines Bruchs ist.

Dann aber, und das eben ist das Wunderbare an Hollywood, verwandelt sich dieser trübe Generation-X-Tölpel Ipkiss sekundenschnell »from zero to hero« in einen messianischen Gangster-Besieger, der das Dynamit pfundweise frißt und dann rülpst wie ein Flammenwerfer: Dies ist kein Film mit dem üblen Beigeschmack der Behauptung, aus dem wirklichen Leben gegriffen zu sein; er jongliert ausschließlich mit Klischees; er ist Kino-Comic und »pulp fiction« in Reinkultur.

Der Kerl, der das spielt, der Kanadier Jim Carrey, 32, gilt als Blitz-Star des Jahres und wird seine Gage von diesem zu seinem nächsten Film in etwa verzwanzigfachen. Er ist der pferdegesichtigste Grimassenschneider und Hampelmann seit Jerry Lewis, doch sein wieherndes Grinsen ist so unverschämt unwiderstehlich, und er legt einen so apokalyptisch rasanten Tango oder Rumba aufs Parkett, daß ihn Millionen von Teenagern dafür abküssen möchten. Carrey schafft die erstaunlichste schauspielerische Annäherung an die Exzentrik einer Zeichentrickfilmfigur, etwa von Tex Avery, und wenn es die Schwerkraft zu überwinden gilt, helfen ihm die Computer-Animations-Virtuosen der legendären Firma ILM auf die Sprünge - insofern ist »Die Maske« ein Wunderwerk.

Übrigens hat der Held, wie alle Helden, auch einen besten Freund, ohne dessen Beistand im schicksalhaftesten Augenblick das Böse nicht zu besiegen wäre. Er heißt Milo und gilt schon jetzt als Favorit im Rennen um den Oscar für die beste Nebenrolle: Milo ist ein Terrier Marke Jack Russell (mit dem Regisseur weder verwandt noch verschwägert) und hört, wie man hört, im Privatleben auf den Namen Max. Y

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