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Richard Strauss: »Ein Heldenleben«. The Los Angeles Philharmonic Orchestra; David Frisina, Solo-Violine; Dirigent: Zubin Mehta; Decco SXL 6382: 25 Mark.
• aus DER SPIEGEL 34/1969
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»Vermeide in Deinen neuen Werken das Übermaß an Polyphonie, denn das Ohr, selbst des gewandtesten Musikers, ist nicht im Stande, der überreichen Stimmführung zu folgen und hemmt das Erfassen des geistigen Inhalts.«

So riet Vater Franz Strauss, emeritierter Hornist der Münchner Hofkapelle: »'Ein Heldenleben', das mir übrigens sehr gefallen hat, hat mich zu vorstehender Bitte bewegt.«

Sohn Richard, damals 35, Hofkapellmeister in Berlin, beschwichtigte jedoch: Gerade das »Heldenleben« komme überall gut an und wirke »so sicher wie ein Grand mit vieren«.

Skatfreund Strauss hatte nicht mit dem Null ouvert Zubin Mehta gerechnet: Dem Mode-Dirigenten aus Indien gelingt es, schon in der Exposition Haupt- und Nebenstimmen durcheinanderzubringen; das Liebesthema -- Spielanweisung: »hervortretend«

geht im Klangbrei unter. Dafür wechselt das Heldenthema fortlaufend die Geschwindigkeit:

Soll »allmählich etwas fließender« musiziert werden, beginnt Mehta zu schleppen, wohl weil die Celli gerade so schön singen, die Rückkehr zu den Motiven der »Widersacher« gerät nicht »etwas langsamer«, wie es die Partitur möchte, sondern beträchtlich schneller.

Weil bis dahin kein Tempo ordentlich definiert worden ist, kann aus der Tempo-Montage, mit der Strauss »des Helden Gefährtin« charakterisiert. nun nichts mehr werden. Mehta ebnet sie kurzerhand zum Dauer-Rubato ein.

So wird aus Straussens symphonischem Selbstporträt eine unsäglich rührselige Rhapsodie. Nur einmal befolgt der Dirigent die Anweisungen des Komponisten. Auf »des Helden Walstatt« läßt er das schiere Faustrecht gelten. Gehör verschafft sich da der jeweils Kräftigste.

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