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VERLAGE Obagfalln

Der Wiener Verleger Fritz Molden, ein »bunter Hund« der Branche, hat Konkurs müssen.
• aus DER SPIEGEL 22/1982
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit dem »Geschenkten Gaul« schreckte er 1970 vor der Buchmesse die Branche auf. Auf dem bis dato eher feinsinnigen deutschen Buchmarkt war das Buch der Knef mit einem Werbeaufwand lanciert worden, der sich auf eine Viertelmillion belief. Und die Autorin Hildegard Knef, Neuling im schreibenden Gewerbe, hatte ebenfalls eine Viertelmillion Vorschuß erhalten. Für das Verlagsgeschäft ein Hauch von Hollywood.

Das waschmittelgemäße Verfahren, das die Werbung über das Produkt stellte, zahlte sich aus. Die Knef, die mit großem Hut wochenlang zu Signierstunden auf Tournee für Molden ging, brachte es in fünf Monaten auf 280 000 verkaufte Exemplare. Der Wiener Fritz Molden hatte seinen Coup.

Rund zehn Jahre, nachdem Molden mit dem »Gaul« so erfolgreich durchgegangen war, kaufte er in den USA die »Prinzessin Daisy« der Judith Krantz, in den USA als teuerstes Buch der Welt gehandelt, für fast eine Million. Ebensoviel soll der großspurig gewordene Verlag in die Werbung gesteckt haben. Daß er dabei Geld aufnehmen mußte, für das der Kapitalmarkt damals 17 Prozent verschlang, schreckte Molden nicht.

Erfolg: Von der ins Deutsche übersetzten blaublütigen Schmonzette wurden mit Mühe und Not 40 000 Stück verscherbelt.

Zwischen diesen beiden Daten, dem Erfolg mit der Knef und dem Flop mit dem Krantz-Geld, liegen Aufstieg und Fall des Wiener Verlagshauses Molden, das jetzt (mitsamt seiner Münchner Dependance) Konkurs mußte. Denn inzwischen belaufen sich die benötigten Gelder des Molden-Verlags auf geschätzte zehn bis elf Millionen Mark.

Daß Molden Ende letzten Jahres seine belletristischen Autoren en gros verscheuerte, um die Pleite abzuwenden, hat S.190 ihm nichts mehr genützt. Und auch, daß ihm die Astrologin Teissier, nicht fein, aber Bein, noch einmal einen Bucherfolg bescherte, konnte Molden nicht mehr retten.

Der Sohn und Erbe des Chefredakteurs der renommierten Wiener »Neuen Freien Presse« Ernst Molden und der Dichterin Paula von Preradovic, der Österreich den Text seiner Nationalhymne verdankt, hatte bis zuletzt auf österreichische Staatshilfe gehofft. Zehn bis elf Millionen Mark wären nötig gewesen, um das Unternehmen zu sanieren, das vor 15 Jahren mit den Memoiren der Stalin-Tochter Swetlana spektakulär auf dem Buchmarkt auftauchte und mit Talmi, Zeitgeschichte und Politik (Kreisky, Dajan und die Tito-Biographie von Djilas) sowie bunten Partys auf dem Buchmarkt glänzte.

Mal flog Molden, der Puzos »Paten« ebenso verlegte wie Charrieres Sträflingsepos »Papillon« oder Hackethals Abrechnung mit der Medizin ("Keine Angst vor Krebs") Buchhändler mit gechartertem Flugzeug zur Buchpremiere nach Torremolinos, mal veranstaltete er auf seinem Landsitz Alpach großangelegte Publicity-Feste.

Als in jüngster Zeit der Buchmarkt merklich enger, das Geld erheblich teurer, Moldens Fehlspekulationen deutlicher wurden, entwickelte Molden einen Verbundplan zu seiner Rettung. In monatelangen Verhandlungen gelang es ihm schließlich, den bundesdeutschen Hestia-Verlag (Inhaber und Starautor: Konsalik) für eine Beteiligung zu interessieren.

Hestia, vom ehrgeizigen Konsalik-Schwiegersohn Stecher vertreten, sollte drei Millionen aufbringen, Moldens Hausbank, die staatliche »Creditanstalt-Bankverein« (CA), 1,4 Millionen an Forderungen nachlassen, der Buchvertrieb Dr. Franz Hain, der Molden ohnehin in Österreich an die Buchhändler brachte, sich mit zwei bis drei Millionen beteiligen. S.191 Und schließlich sollte sich der staatliche »Österreichische Bundesverlag« mit 3,6 Millionen beteiligen.

Woran das Verbundgeschäft schließlich scheiterte, darüber gehen in Österreich die Gerüchte auseinander. Hestia-Schwiegersohn Stecher schreckte in letzter Minute vor dem Kauf zurück, vielleicht, weil ihm die Moldensche Konkursmasse billiger zufallen könnte?

Angeblich wollte auch der Österreichische Bundesverlag den Verbund nicht; Manager Biak hatte durchaus keinen Hehl daraus gemacht, daß ihm eine Beteiligung suspekt wäre und er sich ausdrücklich nur auf Weisung des Molden-Gönners Kreisky gefügt hätte.

Der Kanzler jedoch vermochte sich zu einem so spektakulären Schritt nicht entschließen. Möglich auch, daß der Österreichische Bundesverlag den Schulbuchverlag aus Moldens Erbmasse selbst gerne einsacken möchte.

Für Molden, der persönlich voll für seinen Verlag haftet ("Wir hatten in letzter Zeit nicht einmal genügend Geld, um einen Radiergummi zu kaufen"), bedeutet die Verlagspleite den Sturz in den Ruin. Seine Bilder und seine wertvollen Möbel sind ihm prompt gepfändet worden.

Der »bunte Hund« (Grazer »Kleine Zeitung") der Branche, 1924 geboren und in seiner Jugend Widerstandskämpfer gegen die Nazis, hat sich nach 1945 erst als Diplomat und Politiker, dann als Journalist und Zeitungsverleger betätigt.

In seiner Autobiographie »Fepolinski und Waschlapski auf dem berstenden Stern« hat er versucht, die zwei Seelen, ach, in seiner Brust zu ergründen. Seinen Buchverlag hat er mit Geldern aus seiner Großdruckerei aufgebaut. Seine Verlegerarbeit nannte er einmal einen »Hochseilakt«, dabei ist er jetzt abgestürzt - wohl auch, weil ihm zuletzt niemand ein Netz aufspannen wollte.

Denn Molden, so meint zumindest ein deutscher Gutachter, der Ex-Zeitungsverleger und Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger Walter Zech, wäre zu retten gewesen.

Grund seiner Bewertung: Der buchmäßigen Überschuldung von rund 30 Millionen Schilling Ende 81 hätten stille Reserven von 50 Millionen Schilling gegenübergestanden.

Fest steht, daß Molden seinen Verlag nach dem Wiener Motto »Nobel geht die Welt zugrunde« betrieb. In seiner Glanzzeit unterhielt er aufwendige Dependancen in Paris und New York, die er zu Hofhaltungen inspizierte. Vor seinen großzügigen Amerika-Abschlüssen fürchteten sich die daheimgebliebenen Angestellten.

Seinen Absturz beschreibt Molden selbst mit den zwei Zeilen aus einem alpenländischen Kinderlied: »Ich bin ja selber schuld: 'Wärst net auffigstiegn, wärst net obagfalln.'«

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