Oper - DER SPIEGEL
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Oper

• aus DER SPIEGEL 27/1971
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Rolf Liebermann, bis 1973 Intendant der Hamburgischen Staatsoper, hält sich im Gespräch. Nachdem der höchst erfolgreiche Manager in den vergangenen Jahren schon als Anwärter auf die Intendantenposten der Wiener Staatsoper und der New Yorker Metropolitan Opera ins Spiel gebracht worden war, hat er sich nun entschieden, die Pariser »Grand Opéra« und die »Opéra Comique« zu leiten -- ein unerwarteter Entschluß. Der agile Liebermann galt bisher als der Förderer der Moderne, freilich einer inzwischen schon sprichwörtlichen Liebermann-Moderne, die niemandem weh tat (einzige Ausnahme: Mauricio Kagels »Staatstheater"). In Paris hingegen erwartet ihn ein heruntergekommenes, verstaubtes Haus, erwarten ihn uralte Organisationspläne, ein amateurhaftes Management (rund 40 Millionen Franc Zuschuß werden im wesentlichen von 800 Verwaltungsbeamten verschlungen), ein reaktionäres, auf »Aida« und »Carmen« abonniertes Publikum und viele abgewirtschaftete Musiker. Bislang galt für Sänger der Satz: »Wer fertig ist, geht an die Pariser Oper.« Liebermann will, gestützt auf einen Vertrag, der ihm totale Freiheit in allen künstlerischen und organisatorischen Fragen zugesteht, den total verrotteten Pariser Musiktheaterbetrieb nun reformieren. Die Sanierung der beiden Pariser Opernhäuser wird vom französischen Kulturministerium seit Jahren immer wieder als vordringlich bezeichnet. Radikale und deshalb einigen Erfolg versprechende Reformpläne wurden jedoch nicht verwirklicht -- so etwa die Vorschläge jenes Drei-Mann-Teams, zu dem sich der Choreograph Maurice Béjart, der Komponist und Dirigent Pierre Boulez und der Regisseur Jean Vilar zusammengefunden hatten.

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