Oper
Fünf Stunden lang saßen 640 junge Leute. schlipslos im Hemd, die Hände über den Knien verschränkt, in der Covent Garden Opera auf dem Fußboden und hörten »Boris Godunuw« auf russisch und in Starbesetzung für einen Eintrittspreis von 4,20 Mark. Englands königliche Oper hatte im Kampf gegen ihr verstaubtes Image sämtliche Fauteuils aus dem Parkett entfernen lassen, um jungen Leuten Operngenuß nach Art der populären »Promenaden-Konzerte« in der Albert Hall zu bieten. Die jugendlichen Fans hatten sieh eine Schlacht um die billigen Karten (normaler Parkettpreis: bis zu 53 Mark) wie vor den Toren eines Fußballstadions geliefert. Das Experiment bewährte sich; das Auditorium brach am Schluß in einen Applaus aus, wie das Haus ihn selten erlebt hat. Covent Garden will diese »Prom-Oper« nun zur ständigen Einrichtung werden lassen. Voraussetzung: Lösung des Finanzproblems. Das Experiment mit »Boris Godunow« war, wie die Prom-Konzerte, von der BBC finanziert worden.