Opus 27 - DER SPIEGEL
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BERGMAN Opus 27

• aus DER SPIEGEL 32/1965
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Im Herbst 1966 soll Bergmans 27. Film uraufgeführt werden. Titel: »Persona«. Es wird vielleicht sein letzter sein.

Ingmar Bergman, 47, der seit 1945 regelmäßig einen bis zwei Filme pro Jahr inszeniert hat - außer 1951, als eine Krise die ganze schwedische Produktion lahmlegte -, sagte in Stockholm Ende letzter Woche zu Beginn der neuen Dreharbeiten mit einem Anflug von Resignation: »Ich mache seit 20 Jahren, Filme. Jetzt werde ich ein bißchen langsamer treten. Nächsten Sommer drehe ich keinen Film. Und was danach kommt, daran wage ich noch gar nicht zu denken.« Bergman hat einen monatelangen Sanatoriumsaufenthalt hinter sich, er kurierte eine Lungeninfektion.

Die Krankheit hatte ihn gezwungen, einen für diesen Sommer geplanten Film ("Menschenfresser") und Bühnenregie-Gastspiele in Hamburg ("The Rake's Progress") und Paris ("Marat") abzusagen.

Allerdings nutzte Bergman die Pause im Krankenhaus: »Ich langweilte mich schrecklich und fing an zu schreiben. Ich schrieb und schrieb und las es mir dann durch - und es sah aus wie ein Film.«

Diesen Film wollte Bergman »Kinematographie, opus 27« nennen. Seine Produktion, die »Svensk Film«, überzeugte ihn jedoch, daß ein anderer Titel besser sei. Der Autor ("Ich freue mich, wieder mal eine eigene Suppe kochen zu können") und Regisseur entschied sich für das lateinische Wort »Persona«, das ursprünglich »Maske des Schauspielers« bedeutete.

Das Wort ist Formel für den Filminhalt. Bergman stellt sich wieder ein psychologisches Problem. Er konfrontiert in »Persona« zwei Frauen, die einander abstoßen und anziehen und in dieser Liebe-Haß-Beziehung - anders als in »Schweigen« - Charakterzüge voneinander annehmen.

Die beiden Frauen sind eine junge Schauspielerin und eine junge Krankenschwester. Gespielt werden sie von den wie Zwillinge aussehenden Darstellerinnen Bibi Andersson und Liv Ulmann. Ein Photo, auf dem er die beiden gemeinsam sah, hatte Bergman zur »Persona«-Story angeregt.

Andere Inspirationen zog er aus dem eigenen Leben und Werk: Wie die Herstellung von »Persona« im Sanatorium begann, so beginnt die Filmhandlung in einem Krankenhaus. Und wie ein anderer Bergman-Film ("Wie in einem Spiegel") entsteht das Opus 27 auf der entlegenen Insel Gotland.

Das im Titel angedeutete Masken -Motiv gehört ebenfalls zum festen Bergman-Inventar. Von Maskenträgern - Schauspielern und fahrendem Volk - handelten seine früheren Werke »Abend der Gaukler« und »Das siebente Siegel«. Und menschliche Maskerade war das Thema des 20. Films, »Das Gesicht«. Die Hauptfiguren des »Gesicht«-Films, ein Illusionisten-Ehepaar namens Vogler, kommen nun in »Persona« wieder: Die junge Schauspielerin und ihr Mann heißen genauso.

Diese Voglers sollten auch in Bergmans für dieses Jahr zunächst geplantem »Menschenfresser«-Film auftreten. Das Kannibalenspiel braucht aber offensichtlich nicht mehr gedreht zu werden. Es wird »motivmäßig« (so »Dagens Nyheter") in »Persona« gleich mitverarbeitet.

Auch diese Rationalisierung deutet auf ein nahes Ende der Bergmanschen Produktion. Ein anderes Indiz ist Bergmans neuer Umgang mit Schauspielern. Seiner Darstellerin Bibi Andersson zuliebe, die einen Vertrag mit einer amerikanischen Firma geschlossen hat, will der Regisseur seinen neuen Film ungewöhnlich schnell - bis zum 10. September - abdrehen.

Früher pflegte Bergman Akteure aus seinem Team, die den Verlockungen des ausländischen Films folgten, für immer aus seiner Nähe zu verbannen.

Regisseur Bergman, Bibi Andersson, Liv Ulmann: Abstoßen und anziehen

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