Am Rande Panzer-Juli
Sechs Wochen noch, und dann heißt es wieder: Auf zur Frankfurter Buchmesse! Die vereinigten Klappentexter, PR-Strategen und Verlagswerber klöppeln und hämmern schon, was das Zeug hält. Junge schöne Autoren mit verstörender Prosa - aah, so lärmt es bereits durchs Geistesland. Einen neuen einsamen Gipfel der literarischen Marktschreierei erklomm das TV-Kulturmagazin »Titel, Thesen, Temperamente« (ARD), als es Juli Zeh, 27, und ihren immerhin von Talent zeugenden Romanerstling »Adler und Engel« (SPIEGEL 32/2001) vorstellte. Es fing ganz harmlos an. »Die Entdeckung der Saison«. Geschenkt. »Powerfrau«. Na. »Stilistisch ausgebufft«. Was sonst. »Packender Thriller und coole Love-Story«. Logisch. Aber dann. Weil der Roman im kriegszerstörten Bosnien spielt, schickte man das gut gebräunte Fräuleinwunder samt Kamerateam auf optische Nach-Recherche ins balkanesische Katastrophengebiet. Schon in Mostar zeigte sich die Autorin vor Trümmerlandschaft ein bissel »schockiert« über sich selbst: Weil sie die Ruinen »ästhetisch schön« findet. »Irgendwie romantisch«. Und überhaupt. Der scharfe Kontrast zwischen Zerstörung und Eleganz, Pumps und Nachkriegspampa. So was halt. In den Bergen von Sarajevo schließlich geschah das Wunder: Fräulein Zeh fährt Panzer - das Kampfgefährt gehörte einer deutschen Sfor-Patrouille, die gerade nichts Besseres zu tun hatte. Irre Szene, irrer Blick. Geist und Macht. An ihren Ketten sollt ihr sie erkennen! Und dann fällt das Wort der Saison: »Panzer-Juli«. Ein Powerkommentar von der Journalistenfront. Stilistisch ausgebufft. Feuilleton, granatenmäßig. Doch wo war da der Oberkommandierende der ARD? Das fragt ein »Spaten-Pauli« von der Brandstwiete.