FILM / NEU IN DEUTSCHLAND Paradies vom Computer
Colossus (USA, Farbe). Im Weißen Haus wird so ausgelassen gefeiert wie nach einem gewonnenen Krieg, und Mr. President hat wirklich allen Grund dazu: Endlich ist der Riesen-Computer »Colossus« in Betrieb, der »unfehlbarer als alle Entscheidungen, die Menschen je treffen könnten«, dem Land den ewigen Frieden garantieren soll.
Dieses atombombensicher installierte »System, das sich selbst erhält, selbst schützt und selbst regeneriert«, meldet jede noch so geringe Gefahr und löst automatisch Gegenreaktionen aus -- vom Einsatzbefehl gegen Saboteure bis zum atomaren Raketenschlag. »Aber der Mensch«, so frohlockt Colossus-Erfinder Forbin (Eric Braeden), »bleibt der Herr.«
Weil der Mensch seine Maschine letzten Endes dann doch nicht so ganz beherrscht, kommt der Regisseur Joseph Sargent zu einem immerhin überdurchschnittlichen Science-fiction-Film:
Denn der mächtige Elektronenrechner erfüllt sein Programm -- Verhinderung einer russischen Aggression -- zwar logisch, doch unverhofft eigenwillig: Colossus kooperiert mit seinem sowjetischen Computer-Zwilling »Guardian«.
Durch Datenaustausch potenzieren die beiden Systeme ihr Wissen und damit ihre Macht; sie entscheiden: »Das tausendjährige Paradies der Menschheit wird wahr werden -- unter unserer absoluten Herrschaft.« Die vereinigten Computer erteilen dem US-Präsidenten Befehle, kujonieren den »Herrn Vorsitzenden« im Kreml und ahnden jeden menschlichen Versuch, ihre Elektronik zu manipulieren, mit einem -- kleinen Atombombardement auf strategische Ziele.
Nur seinen Schöpfer Forbin, diesen Frankenstein der kybernetischen Epoche, respektiert auch Colossus: Zur »Erhaltung der Gesundheit« darf der Wissenschaftler mit seiner Assistentin viermal wöchentlich völlig unbeobachtet ins Bett.
Und spätestens an solchen Kino-Konzessionen wird deutlich, daß zwar der Computer von einem intelligenten Dramaturgen (Drehbuch: James Bridges nach einem Roman von D. F. Jones), die Dramaturgie jedoch nicht aus dem Computer stammt.