Passendes Quartier - DER SPIEGEL
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TOURISMUS Passendes Quartier

Der Sextourismus in die Länder der Dritten Welt floriert besser denn je. *
• aus DER SPIEGEL 45/1983
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Rolf Zeisbauer _(Name von der Redaktion geändert. )

plante seine Reise in allen Details. Schließlich wollte er im Ausland keinerlei Risiko eingehen. Nur ein Problem ließ sich weder im heimischen Reisebüro noch bei der Fluggesellschaft befriedigend klären. Zeisbauer verfaßte einen Brief.

»Für meinen Aufenthalt in Bangkok möchte ich gern ein Thai-Mädchen engagieren«, schrieb er an die deutsche Botschaft in der thailändischen Hauptstadt. »Um aber nicht mit Tripper oder Syphilis nach Deutschland zurückzukommen, möchte ich sie dort von einem Hautarzt oder einer Klinik untersuchen lassen.«

Die Diplomaten forderte er auf, ihm umgehend »die Adresse eines garantiert einwandfreien Arztes« mitzuteilen. Auch die »Kosten einer Untersuchung« wolle er gern schon vorher wissen.

Zeisbauer ist nicht der einzige Bundesbürger, der sich sein Vergnügen am liebsten vom Arzt verschreiben lassen würde, womöglich noch mit Garantieerklärung und Rückgaberecht bei Nichtgefallen. Botschaft, Goethe-Institut und andere Vertretungen in Bangkok erhalten regelmäßig derartige Anfragen von Landsleuten, die zwar gern im »Bumsbomber« (Branchenjargon) anreisen, aber sich vor dem Rückflug im »Tripper-Clipper« fürchten.

Allein in Bangkok - wo Prostitution offiziell verboten ist - warten derzeit annähernd 200 000 Prostituierte auf zahlungskräftige Touristen. Zu ihrer Kundschaft zählen vor allem Besucher aus Japan, der Bundesrepublik, den USA und einigen arabischen Ländern. »Der Prostitutionstourismus in die Länder der Dritten Welt nimmt immer mehr zu«, behauptet Georg Friedrich Pfäfflin, Leiter des Zentrums für Entwicklungsbezogene Bildung (ZEB) in Stuttgart.

In einer ausführlichen Dokumentation hat der ZEB-Chef die »bundesdeutsche Beteiligung« am internationalen Bordell-Verkehr jetzt angeprangert. _(Georg Friedrich Pfäfflin (Hg.): ) _("Tourismus, Prostitution, Entwicklung«. ) _(Zentrum für Entwicklungsbezogene ) _(Bildung, Stuttgart; 160 Seiten; 10 Mark. )

Vornehmlich die Tourismusindustrie trage dazu bei, die »Erniedrigung und sexuelle Ausbeutung von Frauen in der Dritten Welt zu verstärken«.

Die Vertreter der großen deutschen Reiseveranstalter weisen solche Vorwürfe zumeist zurück. »Der Sextourismus ist längst tot«, beteuert Bernd Rimele, Sprecher der Touristik Union International,

»das war nur eine Modeerscheinung.« Gleichwohl wird die Mode in den Katalogen des Hauses nach wie vor angeboten.

Stadtbekannte Absteigen, wie das Hotel »Grace« in Bangkok, werden als passendes Quartier für »alleinreisende Herren« empfohlen, die auf Besichtigungen von Tempeln und Pagoden keinen großen Wert legen. Ein anderes Haus am Strand von Pattaya - wo 94 Prozent aller Urlauber Männer sind - wird als »tolerantes ungezwungenes Hotel für unternehmungslustige Junggesellen« offeriert. »Hier kommen Sie auf Ihre Kosten«, heißt es eindeutig zweideutig im Transeuropa-Katalog 1983/84 über das Fernreiseziel Thailand.

Die Touristen sind nicht die einzigen Nutznießer. In vielen Städten der Dritten Welt liege »die Kontrolle des Gewerbes in den Händen der Polizei und des Militärs«, fand der englische Theologe Ron O''Grady während eines mehrjährigen Aufenthalts in Asien heraus.

Der Stuttgarter Pfäfflin sieht die Bosse der Zuhälter und Mädchenhändler ebenfalls in hohen Rängen und beklagt, »daß die Profiteure beste Verbindungen zum Staatsapparat haben, wenn nicht gar Regierungsämter bekleiden«. Diese Leute seien es auch, die den Großteil des Liebeslohns kassieren.

Bangkok und Pattaya sind - wenngleich immer noch am billigsten - als Bordell-Ziele längst nicht mehr konkurrenzlos. Taiwan, Korea und die Hauptstadt der Philippinen zählen zu den Top-Zielen der Prostitutionstouristen.

»In Manila kann man für 20 Pesos bekommen, was bei uns zwanzig Jahre Gefängnis kosten würde«, berichtet Edmond Kaiser, der in Lausanne lebende Gründer von »Terre des hommes«. Kaiser spielt damit auf den Geschäftssinn skrupelloser Zuhälter an. Im Schweizer Fernsehen wurde Manila mit Abscheu als »Paradies für Homophile und Päderasten« bezeichnet - ein Prädikat, das ebenso für Bangkok gelten könnte.

Vor allem auf Sri Lanka, bis zu den blutigen Unruhen in diesem Sommer eines der Lieblingsziele deutscher Fernosttouristen, werden auf Wunsch bereits Zehnjährige vermittelt. Eine starke Zunahme der Knabenprostitution registrieren Kritiker seit einigen Jahren aber auch in den Ferienländern Nordafrikas, in Marokko und Tunesien.

Frauen mit Sinn für Kurzweil im Urlaub, die früher gern Malindi oder Mombasa buchten, scheinen den Geschmack an Kenias Männern verloren zu haben. Pfäfflin: »Viele fliegen jetzt lieber nach Jamaica, Rastas treffen.«

Von Kenia enttäuscht sind auch einige männliche Touristen aus der Bundesrepublik. »Denen wurde da zu oft die Rolex geklaut«, weiß ein Hamburger Reisebüroinhaber, der regelmäßig Pufftouren für Zuhälter organisiert. »Die bevorzugen jetzt wieder Bangkok, da kennen sie sich besser aus.«

Name von der Redaktion geändert.Georg Friedrich Pfäfflin (Hg.): »Tourismus, Prostitution,Entwicklung«. Zentrum für Entwicklungsbezogene Bildung, Stuttgart;160 Seiten; 10 Mark.

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