PAUL WEMBER - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 44 / 71

PAUL WEMBER

• aus DER SPIEGEL 21/1969
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

weiß für die Arbeit mit aktueller Kunst zwei »Bauernregeln": »Gegenwart ist das, was nichts kostet« und »Gegenwart ist das, was man nicht versteht«. Den ersten Umstand nutzt der Krefelder Museumsherr, den zweiten sucht er zu beheben -- beides so entschlossen und engagiert wie keiner seiner deutschen Kollegen. Wember, seit 22 Jahren Chef im Kaiser-Wilhelm-Museum der rheinischen Krawattenstadt, bewies sein Gespür, als er schon 1957 für 500 Mark ein monachromes Blau-Bild des französischen Avantgardisten Yves Klein (heutiger Schätzpreis: 50 000 Mark) einkaufte. Trotz knappem Etat trug der Kunsthistoriker, der bei Wilhelm Pinder in Berlin über westfälische Plastik des 13. Jahrhunderts promoviert hatte, im wilhelminischen, mit Renaissance und Jugendstil wohlbestückten Krefelder Museumsgehäuse auch eine vorbildliche Sammlung mit Werken der fünfziger und sechziger Jahre zusammen. Gleichzeitig demonstrierte er die jeweils jüngsten Entwicklungen mit Wechselausstellungen im »Haus Lange«, einer Villa, die Ludwig Mies van der Rohe 1928 für den Krefelder Textilfabrikanten und Kunstsammler Hermann Lange gebaut hatte, Außer Yves Klein, über den Wember soeben eine Monographie publiziert hat, stellte er noch andere Neu-Realisten, vor allem aber Kinetiker erstmals in Deutschland vor und erntete dafür den Respekt der Kenner sowie den Hohn der Lokalpresse ("Westdeutsche Zeitung": »Die Empörung ist gesund und allgemein"). Jetzt ist Wember, 55, wieder vorn: Im umgebauten Kaiser-Wilhelm-Museum präsentiert er, nach neun Jahren Pause, die inzwischen komplettierte städtische Sammlung, im kürzlich der Stadt geschenkten und gleichfalls renovierten Haus Lange zeigt er eine Dokumentation der nunmehr neuesten Kunstströmungen: »Vorstellungen nehmen Form an«.

Zur Ausgabe
Artikel 44 / 71