Gestorben Peter Brötzmann, 82
Detlev Schilke / ullstein bild
Am Anfang ist da vor allem Wut, Intensität, Attacke. Das zweite Album, das der Musiker Peter Brötzmann im Mai 1968 mit einem Oktett einspielte, ist eine überwältigende, brutale Platte. Die sich nicht nur »Machine Gun« nennt, sondern die von Brötzmanns brüllendem Saxofon geprägt wird, das er immer wieder wie ein Maschinengewehr rattern lässt. Brötzmann lernte als Kind Klarinette, studierte an der Werkkunstschule Wuppertal Kunst und begann Anfang der Sechzigerjahre, regelmäßig mit Jazzbands aufzutreten. Der Free Jazz, mit dem er schließlich berühmt wurde, war beeinflusst und inspiriert von den Entwürfen des schwarzen Amerika. Allerdings machte sich Brötzmann seinen ganz eigenen Reim auf das, was die Amerikaner vormachten. Seine Musik war noch radikaler und lauter, er war und blieb in den Krach der Instrumente verliebt. Es gibt nicht viele Musiker, die für ein in vielen Sprachen bekanntes Verb Pate gestanden haben: »Brötzen« gehört dazu. Es heißt: alles wegblasen. Er war auf der einen Seite ein bodenständiger Klangwerker, der die Landschaft rund um seine Heimatstadt Wuppertal über alles liebte. Auf der anderen Seite war er international vernetzt wie nur wenige deutsche Musiker seiner Generation. Er spielte überall in Europa, auch in den USA. Last Exit hieß die Noise-Jazz-Funk-Band, mit der er dort in den Achtzigern zeitweilig sogar weit aus dem Jazzkosmos herausfand. Tatsächlich konnte Brötzmann auch ganz anders. 2019 etwa brachte er »I Surrender Dear« heraus, ein Album, für das er ohne jede Begleitung Jazzstandards mit dem Saxofon einspielte. Peter Brötzmann starb am 22. Juni in Wuppertal.