Philosoph am Steuer - DER SPIEGEL
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Am Rande Philosoph am Steuer

• aus DER SPIEGEL 33/2001
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Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen, fand der Philosoph Ludwig Wittgenstein. Der Ästhetik-Professor Bazon Brock hat eine andere Maxime: Worüber er nichts zu sagen hat, darüber schreibt er einen Aufsatz. Letztes Beispiel seiner gefürchteten Verbalartistik: ein Beitrag für den Katalog zu einer Mercedes-Benz-Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen. »Auto-Ästhetik. Durch Selbstwahrnehmung zur Selbstbewegung« nennt sich das Werk, das harmlose Automobilisten mit geballtem Tiefsinn verschreckt: Das Auto sei heute eine »Simulationsanlage für die Ewigkeit«, eine »Mönchszelle, in der sich der Fahrer vor jedem Einwirken äußerer Reize, Appelle, Verpflichtungen, also der Heteronomie, schützen kann«. Wohl noch nie im Stau gestanden und den Tobsuchtsanfall simuliert, Herr Professor? Ganz im Gegenteil. Ungebremst von jeder Wirklichkeit fährt der Denker in rasantem Tempo fort: »Je dichter der Verkehr, je länger der Stau auf der täglichen Fahrt zur Arbeit und retour, desto intensiver kann die Abschattung, Ausblendung, Ruhestellung und Konzentration gelingen.«

Ja, wenn das so ist, dann nichts wie weg in den Feierabendverkehr: ausgeblendet und abgeschattet, voller Konzentration allem Irdischen entsagen. Am Kamener Kreuz herrscht endlich himmlische Ruhe. So denkt sich das eben einer, der das »sonore Bassvibrato eines 8-Zylinder-Auspuffs« gleichsetzt mit dem »idealen Strom des göttlichen Odems«.

Gute Fahrt!

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