»Pi.« - DER SPIEGEL
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Kino in Kürze »Pi.«

• aus DER SPIEGEL 14/1999
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Max hat ein Gesicht, das eigentlich erst oberhalb der Augenbrauen anfängt: Hoch wölbt sich sein Denkerschädel mit den Geheimratsecken. Als brillanter, von Migräne gequälter Mathematiker braucht er ganz offenbar einen etwas größeren Kopf, um all seine Gehirnzellen unterzubringen. Er haust allein in einem computergespickten New Yorker Mini-Apartment, ein wildäugiger, menschenscheuer Zahlenfreak, der es sich in den Dickschädel gesetzt hat, eine mathematische Logik hinter dem Chaos der Börsenkurse zu entdecken. Finden wird er in »Pi.«, dem für 60 000 Dollar gedrehten, brillanten Erstlingswerk des Amerikaners Darren Aronofsky, allerdings weit mehr - vielleicht gar eine Zahl, die Gott und die Welt erklärt. Das jedenfalls glaubt eine Wall-Street-Firma genauso wie eine Gruppe orthodoxer Juden, die Max (Sean Gullette) für ihre Zwecke einspannen wollen: als Codeknacker für den Kommerz oder für die Zahlenmystik der Kabbala. In Schwarzweiß gedreht, in rhythmische, abrupt gestaffelte Bildfolgen gegliedert, entwickelt sich »Pi.« mit der phantastischen, aber unabweisbaren Logik eines Alptraums. Wie einst »Eraserhead« von David Lynch pflegt der Thriller eine Ästhetik der Klaustrophobie, in der sich die Welt allmählich auf einen einzigen Punkt verengt - und genau an diesem Punkt gebiert die Hoffnung der Mathematik auf Ordnung wieder das Chaos des Menschenlebens.

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