Pling! - DER SPIEGEL
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SACHBÜCHER Pling!

• aus DER SPIEGEL 50/2006
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die da oben, die Reichen auf den Dachterrassen, die Geschäftsreisenden auf Executive Floors, sie alle wären nichts - und das ist nur eine der bestechenden Wahrheiten in Andreas Bernards »Die Geschichte des Fahrstuhls« - ohne, genau: den Fahrstuhl. Denn was immer einen Menschen nach oben bringt, es ist nicht die Karriere, nicht das Geld und noch nicht mal Sex: Am Ende ist es der Fahrstuhl. Er hat ab etwa 1880 aus unten oben gemacht, aus der trüben Dachstube das Penthouse. Was das bedeutete, erforscht Bernard so scharfsinnig wie unterhaltsam in seiner jetzt im Fischer Taschenbuch Verlag erschienenen Untersuchung: Er nennt es eine »Archäologie«, ein Stöbern in Bauverordnungen und Hygienehandbüchern, in Theaterstücken und Romanen. Der Journalist Bernard hofft, das Unbewusste jener Epoche zu Beginn der Moderne freizulegen, als ein dunkler Schacht in die Häuser der Menschen einzog und ihr Zusammenleben neu organisierte: Plötzlich bewegt sich ein abgeschlossener Ort im Innersten des Hauses, so intim wie anonym, das nach und nach allegorische Kraft entfaltet und in Film und Literatur erzählerische Aufgaben übernimmt. Dies alles auf mehr als 300 Seiten? Unbedingt! Bernards Forscherleidenschaft beeindruckt ebenso wie die Leichtigkeit, mit der er - obschon an Michel Foucault und Walter Benjamin geschult - gleichsam fahrstuhlartig durch die Disziplinen zwischen Literaturwissenschaft, Technikgeschichte, Soziologie und Psychologie rauscht.

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