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Rundfunk Plus oder minus

Nach einem Einspruch des Verlegers Franz Burda setzte WDR-Intendant von Bismarck eine kritische Hörfunk. Sendung über den Offenburger Zeitschriften-Zaren ab.
• aus DER SPIEGEL 47/1973
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»Wenn einer abends um elf« dieser Spruch kursiert seit langem in Offenburger Redaktionsstuben, »an eine Straßenecke pinkelt, dann weiß es der Verleger am nächsten Morgen«

Der Verleger Franz Burda, 70, Herr über das (mit einer Gesamtauflage von rund 12,5 Millionen) viertgrößte Presse-Imperium in der Bundesrepublik, weiß es manchmal sogar schon vorher; und er weiß auch zu verhindern, daß er seiber in einem westdeutschen Massenmedium angepinkelt wird.

Für Dienstag vergangener Woche hatte der Kölner WDR einen Hörfunk-Beitrag über »Leben und Werk des Verlegers Franz Burda« (Untertitel) geplant. Doch nachdem Burda dem WDR-Intendanten Klaus von Bismarck dazu einen vier Seiten langen Brief geschrieben hatte, nahm Bismarck die Sendung »Franz II. oder Sie wolle mir mei Lade wegnehme« kurzfristig aus dem Programm.

WDR-Hörfunkdirektor Fritz Brühl wertete diese Absetzung eines von der Programmdirektion freigegebenen Beitrags als »bisher noch nicht dagewesenen, außergewöhnlichen Fall«. Denn schon vor der Produktion hatten Redaktion und Justitiariat das Manuskript überprüft und sämtliche juristisch problematischen Passagen entfernt.

Die Autoren der Sendung, Henryk M. Broder und Erdmute Beha, hatten

* Mit Änne Burda beim Flamingo-Ball.

nämlich schon im Frühjahr -- anläßlich der gigantischen Feiern zum 70. Burda-Geburtstag -- Ideologie, Führungsstil. Geschäftsmethoden und journalistische Praxis des Offenburger Verlegers ("Bunte Illustrierte«, »Bild und Funk«. »Freundin«, »Mein schöner Garten« und anderes) in der »Badischen Zeitung« kritisiert. Keine der von Burdas Anwälten damals beanstandeten Formulierungen kam in der WDR-Sendung vor.

Das Porträt des »Patriarchen nach Veranlagung und Willen« ("Bunte«-Redaktionsdirektor Karlheinz Schönherr) war freilich für Zeitung und Funk mit den gleichen Farben gemalt: Broder und Erdmute Beha zeigen Burda als einen autoritär-provinziellen Alleinherrscher, der von botmäßigen Redakteuren ein unablässiges Hoheslied auf das freie Unternehmertum verlangt, eine »höhnische Parodie auf aktuelle Berichterstattung« verabreicht, seine Angestellten mit Kegelbahnen und Krediten für Eigenheime ködert. neben dem eigenen aber allenfalls dem Urteil seiner Putzfrau vertraut,

Dieses Bild hielt WDR-Intendant von Bismarck nach Lektüre des Burda-Briefs für »rechtlich bedenklich« -- der Verleger hatte angemerkt, die »Badische Zeitung« habe ihm seinerzeit (allerdings ohne Gerichtsurteil) ein Schmerzensgeld von 5 000 Mark gezahlt, Eilends ließ Bismarck sich daher am vorletzten Freitag von seinem Justitiar Günter Herrmann ein weiteres Gutachten anfertigen, in dem die Sendung als »ehrenrühriger und rechtswidrig geschäftsschädigender Beitrag« bezeichnet wird.

WDR-Redakteure befürchten nun. daß das Beispiel der Absetzung von Sendungen aufgrund äußerer Interventionen Schule machen könnte. Denn erst vor vier Wochen zog der Kölner Sender schon einmal einen kritischen Report. die TV-Sendung »Bürger gegen Kernkraftwerke«, nach dem Einspruch des betroffenen »Deutschen Atomforums« kurzfristig aus dem ARD-Fernsehprogramm zurück.

Zwar räumt Intendant von Bismarck in einer Hausmitteilung an Hörfunkdirektor Brühl ein. »die persönliche Bekanntschaft eines Betroffenen oder Angegriffenen mit leitenden Mitarbeitern unseres Hauses« dürfe kein Grund sein, »Kritik aufgrund persönlicher Intervention zu unterdrücken«. Er bekennt aber auch, »daß man sich die Frage der Fairneß natürlich konkreter überlegt, wenn es -- plus oder minus -- um Personen geht, die man kennt«.

Am vergangenen Montag erzielten WDR-Redakteure mit einer Bildseite aus Burdas »Bunter« auf einer Abteilungsleitersitzung einen Lacherfolg. Die Seite enthielt ein Photo des Intendanten von Bismarck in trautem Gespräch mit der Verlegergattin Änne Burda beim Münchner Flamingo-Ball.

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