Porno im Mikrochip - DER SPIEGEL
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AUSSTELLUNGEN Porno im Mikrochip

• aus DER SPIEGEL 8/2003
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kaum waren die wilden sechziger Jahre vorbei, beruhigten sich auch die Künstler wieder. Vergeben und fast schon vergessen sind inzwischen vor allem die Hoch-Zeiten des überdrehten Wiener Aktionismus, in denen so mancher Bürgerschreck nackt und auf allen vieren über die Straßen kroch, sich vor Publikum in Farbe, Blut und anderen Flüssigkeiten suhlte und in Galerien das eine oder andere Opferlamm schlachtete. Doch in einem retro-seligen Jahrtausend gibt es nichts, was nicht wiederbelebt werden könnte. »Hardcore« heißt eine Ausstellung, die in der übernächsten Woche im Pariser Palais de Tokyo eröffnet wird und einen »neuen Aktionismus« ausrufen will (bis 18. Mai). Insgesamt 15 künstlerische Positionen werden präsentiert, die zwar gesellschaftspolitisch korrekt, aber ganz bestimmt nicht brav wirken: Der spanisch-mexikanische Künstler Santiago Sierra, immer für eine provokante Performance gut, ließ in Berlin schon mal Asylbewerber in Pappkartons ausharren und färbte in Venedig Einwanderern die Haare blond. Für die in New York lebende Künstlerin Shu Lea Cheang dagegen sind Menschen auch nur Maschinen - beziehungsweise wandelnde Festplatten: In ihrem Film »I.K.U.« sammeln Cyborgs Sexdaten, die dann auf Mikrochips gespeichert und an einschlägig interessierte Kunden verkauft werden. Konsumterror mal anders.

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