Pornos mal unscharf - DER SPIEGEL
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FOTOGRAFIE Pornos mal unscharf

• aus DER SPIEGEL 16/2003
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Aus Berlin gab's sofort Quotenalarm: Zu viele Frauen, zu wenig Männer, befand die »taz«, nachdem sie den neuen Bildband »Nudes« des Fotokünstlers Thomas Ruff gesichtet hatte. Fest steht: Alle Personen, die im Buch vorkommen, tragen entweder exzentrische Dessous oder aber gar nichts und werden insofern gleich behandelt. Und sie verharren allein oder en groupe in einschlägigen Positionen - schließlich hat Ruff die Motive aus der Porno-Ecke des Internet heruntergeladen und sie anschließend nur unwesentlich mit digitaler Hilfe ins Unscharfe verfremdet. Weil es sich bei dieser schon vor Jahren begonnenen Serie »Nudes« um ein »work in progress« handelt, also um eine endlose Geschichte, kommen immer wieder neue Szenen hinzu. Ruffs Hausverlag Schirmer/Mosel hat sich - wahrscheinlich schweren Herzens - für eine vergleichsweise kleine Auswahl entschieden. Männer wurden sehr wohl berücksichtigt. Vielleicht aber lässt sich der Kampf der Geschlechter ja endgültig beenden, und zwar im Sinne des Verlags, des Fotografen und der »taz": mit einem frauenfreundlichen, also frauenfreien Nachfolgeband.

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