Post ist Post - DER SPIEGEL
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FERNSEHEN / SENDEREIHEN Post ist Post

• aus DER SPIEGEL 23/1967
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein Briefträger läuft sich vor lauter Diensteifer die Füße wund; ein Fernmeldetechniker kommt sogar am Sonntag zur Telephon-Reparatur; ein Postbeamter wahrt das Briefgeheimnis, obwohl er mit der Enthüllung einen Mord aufklären könnte.

So schnell, so zuverlässig und so diskret bedienen deutsche Postbeamte einmal in der Woche, aber nur die Zuschauer des »Zweiten Deutschen Fernsehens«. Im frühen Abendprogramm versucht die Bundespost, mit 25-Minuten-Spielen ihr Ansehen zu heben. Titel der 13-Folgen-Sendung: »Dreizehn Briefe«.

Wie schon die Kriminalpolizei ("Kriminalmuseum"), die Grenzpolizei ("Alarm in den Bergen") und verschiedene Berufsgenossenschaften ("Kommissar Brahm") ließ sich nun auch die Post vom ZDF idealer machen, als sie ist. Und sie bot dafür nicht nur fachliche Beratung und technische Hilfe an. Das Postministerium fand die Image-Werbung in »öffentlichem Interesse« und überwies dem Fernsehen für die Schleichwerbung 748 948 Mark

mehr als die Hälfte der auf 1,3 Millionen Mark kalkulierten Kosten.

Mit der Postanweisung, zunächst geleugnet, dann doch zugegeben, sicherte sich das Ministerium ein Mitspracherecht bei der Gestaltung der Post-Serie und brachte vor allem in den Drehbüchern Korrekturen an. Einem Beamten zum Beispiel, der bei einer Posträuber-Verfolgung von seinen Untergebenen »Sonder-Einsätze« fordert wurde vom Ministerium ein Nachsalz in den Mund gelegt: »Das ist zwar nicht unser Bereich, aber Post ist schließlich Post.«

Auf solche Feinheiten mußten die Postskript-Autoren schon deshalb achten, weil die Bundespost eine Kopie der TV-Serie zur »Schulung ihrer Beamten und zur Nachwuchswerbung« einsetzen will.

Durch den Lehrfilm wird vor allem der gute Mensch im Postzusteller und Fernmeldetechniker angesprochen. So sind denn auch die TV-Postler allesamt darauf versessen, mindestens eine gute Tat pro Tag zu tun. Sie retten Fische vor dem Chemikalien-Tod, sie klären mittels Puls-Echomesser Kabel-Diebstähle auf, knacken Rauschgift-Ringe und erkennen über »Early Bird« in Amerika einen Mörder.

Derlei simple Mint-Krimis, voller Klischees und Gemeinplätze, hält das Postministerium für gelungen und wirkungsvoll. Die Investition, so meint Postsprecher Jürgen Wehran, habe sich gelohnt. Wehran: »Wir haben uns eine eigene Produktion erspart.«

Tatsächlich zog die Post aus den vom ZDF beförderten »Dreizehn Briefen« hohen Gewinn: Denn für reguläre Werbespots gleicher Länge und zur gleichen Sendezeit hätte sie das Elffache der überwiesenen Summe zahlen müssen -- 8,32 Millionen Mark.

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