Preise - DER SPIEGEL
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Preise

• aus DER SPIEGEL 49/1971
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»Literaturpreise«, so hatte Jacques Laurent, 52, die Juroren des Prix Goncourt vorwarnen lassen, »verachtet niemand mehr als ich.« Doch von derlei koketten Sprüchen ließen sich die neun Jury-Alten nicht beirren: Letzten Montag teilten sie Laurent Frankreichs bekannteste Literatenprämie zu, für seinen jüngsten Roman, »Les Bêtiscs« (Die Torheiten). Das preisgekrönte 600-Seiten-Buch unterscheidet sich von früheren, des erotischen Inhalts wegen unter dem Pseudonym Cécil Samt-Lanrent veröffentlichten Werken des Laureaten ("Caroline Chérie") vornehmlich durch höheres Gewicht (750 Gramm) und (so Kritiker Pierre-Henri Simon) einen »barocken bis schlechten Geschmack, der alles und jedes zum selben Salat verrührt": Meditationen über Schriftstellerei, Politik, Philosophie, über den Ekel vor Kalbskopf in Vinaigrette-Sauce und über die Unterschiede zwischen indischem und indochinesischem Kot. Als einen »Akt der Gerechtigkeit« bejubelt allein die Rechtszeitung »L'Aurore« die Auszeichnung des Rechts-Anarchisten Laurent: »Ein denkwürdiger Tag.« Und, für den Preis-Verächter, ein profitabler dazu. Denn immer noch bringen Goncourt-Preis-Bücher ihren Autoren »genausoviel Geld wie der Nobelpreis« (Vorjahres-Gewinner Michel Tournier). Das magische Wort Prix Goncourt ist so wirkungsvoll, daß der Verleger Grasset sogar mit der Buchmanschette »Nicht-Goncourt-Preisträger« ein sperriges Werk zum Bestseller hinauftricksen konnte.

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