Presse - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 59 / 76

Presse

• aus DER SPIEGEL 53/1971
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eine Zeitschrift in der Zeitschrift birgt die Weihnachtsausgabe des Magazins »New York": Der 44 Seiten starke Kern des fashionablen Lokalblattes ist zugleich Probenummer einer neuen Frauenzeitschrift ·mit dem programmatischen Titel »Ms.«, der von den amerikanischen Emanzipateusen aus Mrs. (Frau) und Miss (Fräulein) gebildeten Anrede ohne Ansehen des Familienstandes. Das Supplement, das ab Mai 1972 regelmäßig erscheinen soll und dessen erste selbständige Nummer am 25. Januar auf den Markt kommt, versteht sich als Sprachrohr der Women's Lib und richtet sich an »vollwertige menschliche Wesen« und nicht an »Haushälterinnen, Kleiderständer, Mütter oder Gastgeberinnen«. Chefredakteurin: Gloria Steinem, 35, Glamour-Girl der Frauen-Bewegung und bislang Starkolumnistin des »New York«. Dessen Chefredakteur Clay Felker hatte längst prophezeit: »Mit ihren Beinen muß sie einfach eine große Schreiberin werden.« Und was sie schreibt: »Wie man es macht ... nicht wie man Gelee herstellt, sondern wie man sein Leben in den Griff bekommt.« Andere »Ms.«-Themen: ein Plädoyer für einen Ehekontrakt, der die beiderseitigen Pflichten im Haushalt vor der Hochzeit regeln soll, und ein Test, in dem das männliche Imponiergehabe von US-Politikern nach Women's-Lib-Kategorien benotet wird. Anzeigen werden nur aufgenommen, »wenn sie die Urteilskraft und die Intelligenz der Frauen nicht beleidigen«. Deodorant-Reklame etwa wurde abgelehnt. Für BHs freilich darf geworben werden: »Ob man sich mit oder ohne wohler fühlt«, sagt Gloria, »ist ein physiologisches Problem.«

Zur Ausgabe
Artikel 59 / 76