Theater Primeln und Gülle
Wenn ein mit linken Idealen ausgestatteter Journalist nach 17 Jahren Schreibarbeit bei einem ostholsteinischen Provinzblatt sein Leben bilanziert, umwölkt sich der Himmel über Eutin: Irgendwo zwischen Primelzucht und Gülle ist die Revolution versickert. Der Sohn liest Heidegger, und die Gattin treibt es mit dem Chef. Ein Trauerspiel. Schauspieler und Stückeschreiber Klaus Pohl ("Karate-Billi kehrt zurück«, »Das Alte Land") hat es unter dem Titel »Zettel« zu Papier gebracht. Er selbst inszeniert, für Donnerstag dieser Woche, auch die Uraufführung am Hamburger Thalia Theater, leider ohne bei den Proben den Kolportage-Ballast abzuwerfen. Die Machenschaften der Deutschen Bank, Umweltkriminalität und brandstiftende Neonazis sollen den Leiden des alten Achtundsechzigers Tiefe geben. Nur scheinen sie den Dramatiker nicht sonderlich zu interessieren. Infotainment heißt der Erzfeind seines Helden. Aber ist das auch der Erzfeind von Pohl?