Punks & Roller
Seit knapp einem Monat gibt es irgendwo in Hamburg fast täglich eine Prügelei zwischen Punks und Rohem. In U-Bahnhöfen oder nach Konzerten sind es zumeist die Roller, die Punks auflauern. Vor einem Konzert der Strangelers hatten sie sogar zur großen Schlacht aufgerufen. Die Polizei sperrte aber vorsorglich das Gelände ab, nahm 65 Jugendliche »in Gewahrsam« und konnte 60 Schlagwaffen »sicherstellen«. Die plötzlich in Erscheinung getretene gewalttätige Jugendszene kann sich noch niemand recht erklären.
Nach Elvis Presleys Tod im Sommer 1977 kam bei Teenagern eine 50er-Jahre-Nostalgie auf. Jung-Rock?n?Roller kämmten sich eine Tolle, zogen sich spitze Schuhe und Baseball-Jacken an und hörten den sauberen Rock?n?Roll der 50er. Bald verstand sich ein Teil von ihnen als Teds, Abkürzung für Teddy Boys.
Die Teds organisierten sich nun auch hier in Banden mit einem Führer, meist etwas älter als 20, und einem Anhang, zu dem öfter auch 12- und 13jährige Kinder gehören. »Die Kids kommen zu uns und wollen, daß ihnen einer ansagt, was Sache ist. Die wollen geführt werden. Natürlich werden sie bei uns dann rangenommen und müssen spuren«, so rechtfertigt ein Bandenführer seine Stellung in der Gruppe. Ihr Traum: die amerikanischen Südstaaten vor dem Sezessionskrieg. Ein Teddy Boy: »Die hatten eben ihre Negersklaven, die Herrenhäuser und ein schönes Leben. Eben etwas bedeuten, nicht nur n Arbeiter zu sein oder ein unbeachtetes Mitglied der Gesellschaft.« Herr sein, jemanden unter sich haben, das können diese Jugendlichen am ehesten in Prügeleien mit den unangepaßten Punks halluzinieren. Die Punks mit ihrer Rebellionsattitüde, verschlissenen Kleidern und gefärbten Haaren sind für die Teds Symbol »des Abschaums und der Untermenschen«. Einige Gruppen der Teds projizieren ihre leere Wut nicht nur auf Gleichaltrige, sie jagen Homosexuelle und Gastarbeiter. Andere fahren am Wochenende in den Sachsenwald und spielen »DDR besetzen«.