FESTSPIELE Putte im Pott
Gespielt wird auf Halde, in der Salzfabrik einer Kokerei oder in einem Ringlokschuppen, und auf dem geduldigen Papier klingt das Kunst-Sortiment beinahe dufte: Mal wird, in der Startphase der neuen »Ruhr-Triennale«, deutsches Liedgut (von Schubert pur über Hanns Eisler bis Herz-Schmerz-Schnulze) intoniert, dann Arnold Schönberg und Philip Glass; die »Bakchen« des Euripides stehen auf der Matte, Mozarts »Don Giovanni« und jede Menge Big Bands. Ende August geht es los, 83 Veranstaltungen mit 23 Produktionen sind eingeplant. Aus bewährten Seilschaften hat sich der Gründungsintendant Gerard Mortier manch guten, alten, allerdings auch sattsam Bekannten an Land gezogen, um Hochkultur unter die gemeinen Kumpels zu bringen, für 41 Millionen Euro in drei Jahren. Erfreulich: Die Eintrittspreise, im Schnitt 25 Euro, sind sozialverträglich. Ärgerlich: die von dem Düsseldorfer Kunstprofessor Jörg Immendorff entworfene Triennale-Fahne, die demnächst die Spielorte im Pott verunzieren wird. Auf der in Schwarz, Rot und Gold getönten Trikolore hockt unter der Friedenstaube eine Putte auf einem Feuerball, und der sieht aus wie ein menschliches Oberstübchen nach der Diagnose Gehirnerweichung.