KLASSIKER Redende Liebe
Bei seiner Beerdigung, vor 200 Jahren in Hamburg, gaben ihm rund 50 000 Menschen das letzte Geleit: dem Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock (1724 bis 1803). Was machte ihn so beliebt - den Autor des sperrig-hochgestimmten »Messias«, den kulturpatriotischen Sänger freundschaftlicher »Begeistrung« oder des Frühlings, der die Liebe »bebender« reden macht? Dieser Frage gehen 13 Autoren nach, ohne sie definitiv beantworten zu können, und zwar auf einer neuen CD zu Ehren des Meisters ("Unser Klopstock«, Wallstein Verlag Göttingen, herausgegeben von Harro Zimmermann). Anrührend ernsthaft und lehrreich sind besonders die Klopstock-Elogen jener Schriftsteller, die in der DDR gelebt haben: Nachlassdokumente von Johannes Bobrowski und Karl Mickel, Erinnerungen von Volker Braun und Kerstin Hensel. Es gab in der DDR eine Art Klopstock-Geheimbund, der den republikanisch gesinnten Verfechter des »Vernunft-Rechts« (gegen das »Schwert-Recht") ebenso hochhielt wie den radikalen Sprachartisten - den SED-Ideologen war das kaum genehm.