BUCHMARKT »Restlos zerrüttet«
SPIEGEL: Herr Schirrmacher, der Frankfurter Eichborn-Verlag, bei dem Hans Magnus Enzensberger vertraglich noch bis Ende 2007 als Herausgeber der »Anderen Bibliothek« gebunden ist, hat erfolgreich gegen eine geplante, ebenfalls von Enzensberger verantwortete Buchreihe der »Frankfurter Allgemeinen« geklagt. Versucht die »FAZ« das nun weiter für Enzensberger vor Gericht durchzufechten?
Schirrmacher: Wir können gar nichts durchfechten, denn wir stehen gar nicht zur Debatte. Es handelt sich um eine juristische Auseinandersetzung zwischen Enzensberger und Eichborn. Wir können nur hoffen, dass die beiden sich einigen. Wer weiß, noch ist vielleicht nicht aller Tage Abend. Natürlich hat unser Verlag Enzensberger gefragt, ob er frei ist. Enzensbergers Idee entsprang ja gerade der Überzeugung, dass er etwas Neues machen wollte.
SPIEGEL: Haben Sie denn niemals direkt mit den Eichborn-Leuten geredet?
Schirrmacher: Wir hatten doch mit Eichborn gar nichts im Sinn. Wir hatten eine Zusammenarbeit mit dem berühmten deutschen Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger im Sinn. Die »FAZ« wäre Lizenznehmer einer von Hans Magnus Enzensberger und dem Deutschen Taschenbuch Verlag herausgegebenen Buchreihe gewesen. Das waren unsere Ansprechpartner. Was kann unser Verlag mehr machen, als die Beteiligten mit Nachdruck fragen, ob sie auch frei sind, dieses Angebot zu machen?
SPIEGEL: Haben jene Kritiker recht, die - wie die »SZ« - Enzensberger nun »Leichtfertigkeit« vorwerfen?
Schirrmacher: Nein, das gehört in die Abteilung Häme. Warum eigentlich? Ich rede jetzt mal von Enzensberger und nicht von der »FAZ«. Enzensberger ist ja nun nicht Feuilletonredakteur. Einer der letzten großen Autoren dieses Landes, der 75-jährige Hans Magnus Enzensberger, plant noch einmal etwas Neues, er scheitert, und der Literaturkritiker reibt sich die Hände. Das ist etwas kleinkariert. Selbst die »Andere Bibliothek« war ja nicht Eichborns geniale Erfindung, sondern die von Hans Magnus Enzensberger.
SPIEGEL: Wie geht es weiter?
Schirrmacher: Wir müssen zur Kenntnis nehmen, Enzensbergers Verhältnis zu Eichborn scheint restlos zerrüttet. Jeder Verlag weiß doch, dass man Autoren gegen ihren Willen nicht halten kann. Vielleicht hat er geglaubt, dass Eichborn einsehen würde, dass man Kreativität nicht erzwingen kann. Auf jeden Fall war Enzensberger zu optimistisch: Er hat geglaubt, man könne ihm die Freiheit des Publizisten nicht nehmen. Versteh ich übrigens gut.
SPIEGEL: Ist die Buchreihe damit beerdigt?
Schirrmacher: Keineswegs. Im September geht es weiter. Da beginnt eine sehr schöne Comicreihe, die von den Donaldisten des »FAZ«-Feuilletons herausgegeben werden wird.