Revolution und Hohn - DER SPIEGEL
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KÜNSTLER Revolution und Hohn

• aus DER SPIEGEL 40/2002
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Er war ein außergewöhnliches Multitalent und blieb zu Lebzeiten ein verkannter Außenseiter: Der Schweizer Louis Soutter (1871 bis 1942), ein ausgebildeter Geiger, gilt als genialisches zeichnerisches Talent - zumindest aus heutiger Sicht. 1903 war er nach einer gescheiterten Ehe aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrt, krank und depressiv. In Amerika hatte er Malerei unterrichtet, nun schlug er sich mal als Orchestermusiker, mal als Gärtner durch. Seiner Familie galt das als suspekt. Sie ließ ihn entmündigen und schließlich, im Alter von 52 Jahren, in ein Altersheim einweisen - vom Leben ausgeschlossen, schuf er sich auf Papier ein Schattenreich: Wie quirlige Gespenster tanzen schemenhafte Gestalten durch ein raumloses Welttheater. Nur sein Cousin, der Architekt Le Corbusier, einige Freunde und ein Galerist erkannten die ästhetische Explosion: Soutters Werk wurde in den dreißiger Jahren ausgestellt - und verhöhnt. Das Kunstmuseum Basel zeigt seine Arbeiten nun neben denen solcher Zeitgenossen wie Picasso und Matisse (bis 5. Januar). Fazit: Fast unbemerkt von den damaligen Kollegen hatte Soutter die größeren Revolutionen gewagt.

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