Gestorben Rita Lee, 75
Leo La Valle / dpa
»Unterm Strich waren wir allen anderen um Licht-jahre voraus«, sagte die brasilianische Musikerin Rita Lee 2001 der »New York Times«. Zu jener Zeit hatten Stars wie Beck den enormen Einfluss von Lees Band Os Mutantes auf die westliche Popmusik wiederentdeckt. Die Gruppe war 1966 in Lees Heimatstadt São Paulo gegründet worden. Nirvana-Sänger Kurt Cobain und Charles III. gehörten zu ihren Fans. Die 1947 als Rita Lee Jones de Carvalho geborene Tochter eines Nachfahren von US-Einwanderern und einer Brasilianerin galt als brasilianische »Königin des Rock«. Os Mutantes wurden auch dank Lee zu einem Aushängeschild der Tropicália-Bewegung, die sich ab Ende der Sechzigerjahre mit subversiver Musik gegen die Militärdiktatur wandte. Traditionelle brasilianische Musik wurde elektrisch verstärkt und mit psychedelischem Rock verquickt. 1972 verließ Lee die Band und widmete sich ihrer Solokarriere. Als die Sängerin mit den knallrot gefärbten Haaren 2021 eine Lungenkrebs-Diagnose erhielt, gab sie ihrem Tumor den Spitznamen »Jair«, eine spöttische Anspielung auf Brasiliens damaligen Präsidenten Jair Bolsonaro. Rita Lee starb am 8. Mai in São Paulo.