Werk und Leben von Robert Redford Ewig unbequemer Sonnyboy
Hollywoodlegende Robert Redford ist tot. Der 89-Jährige starb nach Angaben seiner Agentin am frühen Dienstagmorgen im Schlaf. Seine Karriere als Schauspieler, Regisseur und Filmproduzent erstreckte sich über mehr als sechs Jahrzehnte.
Jeder fängt mal klein an: Seine erste Kinorolle hatte Redford im Jahr 1960 als Basketballspieler in »Tall Story« (»Je länger, je lieber«). Allerdings tauchte er nicht einmal im Abspann auf. Das Foto zeigt die Stars des Films: Jane Fonda und »Psycho«-Hauptdarsteller Anthony Perkins.
Blaue Augen, rotblonde Haare, frischer Scheitel: Sein blendendes Aussehen öffnete Redford viele Türen in Hollywood. Ab 1962 spielte er immer öfter in Filmen mit. Hier ein Foto aus dem Jahre 1965, als er »Inside Daisy Clover« (»Verdammte süße Welt«) und »Situation Hopeless – but not serious« (»Situation hoffnungslos, aber nicht ernst«) drehte. Es waren die frühen Schritte einer ganz großen Filmkarriere.
Mit der Komödie »Barfuß im Park« von 1967 mit Jane Fonda gelang Robert Redford endlich der Durchbruch, nachdem frühere Versuche gefloppt waren. In der Rolle des biederen Anwalts, der dank seiner wilden Braut aus dem gesellschaftlichen Korsett ausbricht, gewann er die Herzen des Publikums.
Seinen ersten Auftritt in einem Western hatte er neben Paul Newman in dem Klassiker »Butch Cassidy and the Sundance Kid« (»Zwei Banditen«) von 1969. Der Film war einer der größten Kassenschlager der Sechzigerjahre.
Für »Downhill Racer« (»Schussfahrt«) von 1969 hatte sich Redford nicht nur bei den Dreharbeiten in Tirol mächtig ins Zeug gelegt – in der Hoffnung, dass der Film nach dem Erfolg von »Butch Cassidy and the Sundance Kid« auch vom Studio mehr Aufmerksamkeit bekommen würde. Doch der Start wurde immer wieder verschoben, das Marketing war mau. Redford war ein begeisterter Skifahrer.
Paul Newman hielt vor dem ersten gemeinsamen Film noch recht wenig von Robert Redford. Das änderte sich nach dem großen Erfolg. Die beiden wurden Freunde und hatten nur vier Jahre nach »Butch Cassidy and the Sundance Kid« (»Zwei Banditen«) mit »The Sting« (»Der Clou«) den nächsten Hit. Die Gaunerkomödie gewann 1974 sieben Oscars, unter anderem den als bester Film.
1973 spielte Redford an der Seite von Barbra Streisand in einem weiteren Filmhit. Im Liebesfilm »The Way We Were« (»So wie wir waren«) spielen die beiden ein ungleiches Paar.
In der Rolle als Jay Gatsby in »Der große Gatsby« feierte Redford an der Seite von Mia Farrow seinen nächsten großen Erfolg. Ursprünglich sollte Truman Capote das Drehbuch schreiben, wurde allerdings durch Francis Ford Coppola ersetzt. Der beschwerte sich später: »Das Drehbuch, das ich geschrieben habe, wurde offenbar nicht verfilmt.«
In den Siebzigerjahren stieg Robert Redford als einer der wichtigsten Darsteller in Filmen des »New Hollywood« auf.
Der Verschwörungs-Thriller »Die drei Tage des Condor« von 1975 zeigt ihn (hier mit Faye Dunaway) als CIA-Mitarbeiter, der selbst verfolgt wird.
Ein Höhepunkt des »New Hollywood«: »Die Unbestechlichen« von 1976. Redford spielt die Reporterlegende Bob Woodward, der die Hintergründe der Watergate-Affäre aufdeckte.
Nach seinen produktiven und erfolgreichen Siebzigerjahren trat Redford als Schauspieler in den Achtzigern kürzer – ganze vier Filme drehte er von 1980 bis 1989; hier eine Szene aus dem Gefängnisdrama »Brubaker« aus dem Jahr 1980.
Unter anderem brillierte er 1985 als Herzensbrecher im Film »Out of Africa« (»Jenseits von Afrika«) neben Meryl Streep und feierte einen riesigen Erfolg.
Redford war bekannt dafür, dass er sein Privatleben unter Verschluss hielt. 1958 heiratete er Lola Van Wagenen (hier circa 1981), mit der er vier Kinder hatte. Ihr jüngster Sohn starb bereits im Alter von zwei Monaten. 1985 ließen sich die beiden scheiden.
Redford versuchte sich auch als Regisseur und war erfolgreich. Im Jahr 1980 stand er für »Ordinary People« (»Eine ganz normale Familie«) zum ersten Mal hinter der Kamera. Donald Sutherland und Mary Tyler Moore spielten die Hauptrollen.
Als Schauspieler war er nur einmal für den Oscar als »Bester Hauptdarsteller« nominiert, als Regisseur gewann er ihn auf Anhieb für »Ordinary People«. Das öffnete ihm als Regisseur viele weitere Türen.
Seit 1989 gibt es das Sundance Film Festival für den unabhängigen Film in Utah. Dort hatte Redford schon Anfang der Sechzigerjahre Land gekauft, als Rückzugsort für sich und seine Familie – und um dort einen Ort für Kunst entstehen zu lassen. Später wurden daraus das Sundance Resort, das Sundance Institut und das Filmfestival – alle benannt nach seiner Filmfigur in »Butch Cassidy and the Sundance Kid« (»Zwei Banditen«).
Der Film »Indecent Proposal« (»Ein unmoralisches Angebot«) von 1993 sorgte für viel Häme bei der Kritik, aber das Publikum liebte das kitschige Drama, in dem Redford eine seiner seltenen Rollen als (Fast)-Bösewicht spielt.
Nicht frei von Sentimentalität war auch 1998 »The Horse Whisperer« (»Der Pferdeflüsterer«), eine filmische Seifenoper, in der Redford gewaltfrei mit Pferden kommuniziert.
2009 heiratete er die deutsche Malerin Sibylle Szaggars, mit der er seit Mitte der Neunzigerjahre zusammen war. Sie waren bis zu seinem Tod fast 30 Jahre ein Paar.
Mit »Spy Game« kehrte Robert Redford 2001 zum Genre des Spionagethrillers zurück. Der Film ist zwar wesentlich glatter als die Vorgänger aus den Siebzigerjahren, aber Redford liefert als Agent kurz vor der Pensionierung eine große Show ab.
2002 erhielt Robert Redford den Ehrenoscar für sein Lebenswerk – aber sein Schaffen war noch nicht vorbei.
Einen seiner besten Filme drehte Redford mit über 70: »All Is Lost« von 2013 ist eine grandiose Einzelleistung, die den Altstar allein auf einem leckgeschlagenen Segelboot zeigt. Ein Survivalthriller als schicksalhaftes Drama.
2016 ehrte der damalige US-Präsident Barack Obama Robert Redford mit der Presidential Medal of Freedom.
Seinen De-facto-Abschied von der Leinwand feierte Robert Redford 2018 mit der schrulligen Gangsterkomödie »Ein Gauner & Gentleman«, in der er einen alten Mann spielt, der es einfach nicht lassen kann, Banken zu überfallen. Danach folgte nur noch ein kleiner Auftritt im Superheldenfilm »Avengers: Endgame«.
2020 verlor Redford seinen zweiten Sohn James Redford (hier 2018), der im Alter von 58 Jahren seinem Krebsleiden erlag.
Tim Mosenfelder / Getty Images
Auch noch 2019 unterstützte Redford beim Sundance Film Festival unabhängige Filme. Den Nachruf lesen Sie hier.