Romantischer Anarchist - DER SPIEGEL
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Romantischer Anarchist

• aus DER SPIEGEL 23/1971
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Black Panther (Algerien; Farbe). Er freut sich über sein Baby und ruft »Vive l'Algérie«. Er schlendert durch die Kasbah, läßt sich von Halbwüchsigen bewundern und kauft ein Messer, »mit dem man dem Bürgermeister von San Francisco die Eier abschneiden könnte, wenn er welche hat«.

Aber San Francisco ist weit -- Eldridge Cleaver, gerichtlich verfolgter US-Buchautor ("Seele auf Eis") und »Informationsminister« der rebellischen »Black Panthers«. muß eine Chance für seine »stolze Revolution« im algerischen Exil abwarten.

Dorthin ist ihm der Spielfilm-Formalist ("Wer sind Sie, Polly Magoo?") und Dokumentarist ("Fern von Vietnam") William Klein mit der Kamera gefolgt: Mal im Hotelzimmer. mal im Freien, mal am Rednerpult porträtierte er den Negerführer als charmanten Räsoneur, pragmatischen Politiker und romantischen Anarchisten, der mit der Möglichkeit seiner Ermordung durch die »Pigs« von der CIA kokettiert.

Doch Erkenntniswert und politischer Nutzeffekt der Klein-Bilder erscheinen gering. Die bunten, allzu schönen Arrangements des einstigen Modephotographen. schick aufgelockert mit dokumentarischen Zwischenschnitten vom Rassen- und Klassenkampf in den USA. erinnern fatal an die vielen unverbindlichen Fernsehfilme zum gleichen Thema.

Politische Filme machen und politisch Filme machen -- diesen von Godard formulierten Unterschied hat Klein offenbar noch nicht begriffen.

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