BUCHMARKT Rowohlts rote Zahlen
Die Krise im Reinbeker Verlagshaus Rowohlt, einer Tochter des Holtzbrinck-Konzerns, war auch auf der Leipziger Buchmesse am vergangenen Wochenende Thema. Nach dem Selbstmord des allseits beliebten Pressechefs Frank Scheffter, nach Zeitungsmeldungen über rote Zahlen, bevorstehende Entlassungen und Programmänderungen, bemüht sich Nikolaus Hansen, 48, einer der beiden verlegerischen Geschäftsführer, den Image-Schaden zu begrenzen. »Scheffter war nicht von Entlassung bedroht«, sagt er. Es solle möglichst auch künftig keine Härten geben. Die Zahl der Mitarbeiter habe sich schon in den vergangenen zwei Jahren um 30 Personen auf rund 170 verringert. Beinahe noch einmal so viel sollen das Haus (Verlust 1999: fast zehn Millionen Mark) verlassen. Verhandlungen über Abfindungen sind im Gange, Vorruhestandsregelungen werden angestrebt. Ungewiss ist das Schicksal der Leiterin der weitgehend eigenständigen Dependance Rowohlt Berlin, Ingke Brodersen, 50, die wenig Lust zeigt, die Konzern-Vorstellung eines neuen Profils ("jünger, schneller, großstädtischer") zu erfüllen. »Bücher sind nicht wie Markenartikel zu produzieren«, ist ihr Credo. Bei Rowohlt sollen nun die einzelnen Bereiche - dazu zählen auch Kindler, Wunderlich und die Taschenbuchverlage - in sich profitabel werden, ohne die Quersubventionierung schwacher Abteilungen durch stärkere. Wagnisse mit einzelnen Titeln wird es nach Hansens Aussage auch weiterhin geben, »freilich nicht unbedingt mit Gedichtbänden«. Und neue Autoren? »Gewiss«, so Hansen, »sonst können wir ja gleich sagen: Wir bauen jetzt ab und machen das Licht aus!«