Rundfunk
Die deutschen Sender, 1973 von einem Multi-Defizit bedroht, sollen gesundgeschrumpft werden. Erstes Opfer: ein Intendant. Auf der nächsten ARD-Hauptversammlung will der Düsseldorfer Landtagspräsident und Vorsitzende des WDR-Verwaltungsrats Wilhelm Lenz (CDU) »einen deutlichen Schritt zur Neuordnung unserer völlig verplanten Rundfunklandschaft« vorschlagen: Wenn Hans Abich, derzeit Intendant von Radio Bremen, Mitte nächsten Jahres als Programmdirektor des Deutschen Fernsehens nach München geht, soll laut Lenz der Chefstuhl im Bremer Funkhaus nicht mehr besetzt werden. Denn der Zwergsender an der Weser, der mit 236 000 zahlenden Zuschauern und drei Prozent Anteil am Gemeinschaftsprogramm des ersten Kanals die kleinste ARD-Anstalt ist und 1971 fast seine kompletten Netto-Gebühren-Einnahmen (15 Millionen) allein für Löhne und Gehälter ausgegeben hat, »kann«, so Lenz, »ohne weiteres auch von dem benachbarten NDR in Hamburg regiert werden«. Mit einer solchen Funk-Ehe zwischen den Hansestädten hofft Lenz seinem Fernziel näherzukommen -- der Verschmelzung von derzeit neun, teils wohlhabenden, teils defizitären, zu fünf leistungsstarken Sendern.