FILMFESTSPIELE »Sadistische Lust«
SPIEGEL: Herr Roehler, bei den Berliner Filmfestspielen im Februar durfte »Die Unberührbare« nicht gezeigt werden. Warum nicht?
Roehler: Die gesamte Jury hatte sich vehement für den Film eingesetzt. Aber Herr de Hadeln, der letztlich zu entscheiden hatte, hat mit dem Daumen nach unten gezeigt.
SPIEGEL: Offenbar eine krasse Fehlentscheidung - Ihr Film und seine Hauptdarstellerin Hannelore Elsner wurden von der Kritik gefeiert, de Hadeln hat man mittlerweile gekündigt. Sehen Sie da einen Zusammenhang?
Roehler: So wie Herr de Hadeln kann nur jemand entscheiden, der ganz andere Interessen verfolgt oder dessen Urteil getrübt ist. Aber so ist die Branche: Gerade jüngere Kollegen brauchen einen sehr starken Willen und viel Glück, um sich etwa gegen die Redakteure bei den Fernsehsendern durchzusetzen, die aus einer sadistischen Lust heraus Anfänger entmutigen.
SPIEGEL: »Die Unberührbare« läuft jetzt in einer Nebenreihe bei den diese Woche beginnenden Filmfestspielen in Cannes. Haben die Verantwortlichen dort mehr Gespür für gute Filme?
Roehler: Wir haben auch versucht, den Film im Cannes-Wettbewerb zu zeigen. Aber bei der Konkurrenz kann ich verstehen, dass sie uns nicht genommen haben - im Gegensatz zu Berlin.
SPIEGEL: Als einer der Favoriten für die De-Hadeln-Nachfolge gilt der Leiter der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, Dieter Kosslick. Ihr Kommentar?
Roehler: Ich sehe ihn immer nur in irgendwelchen Restaurants sitzen und essen. Wenn er vom Teller aufblickt, weiß ich - das ist der Herr Kosslick. Aber er hat sicher immer viel zu tun.
SPIEGEL: Wen schlagen Sie als neuen Berlinale-Chef vor?
Roehler: Ich würde mir Wieland Speck wünschen, den jetzigen Leiter des Berlinale-Panoramas. Der würde nicht nur phantasielos irgendwelchen Hollywood-Mist oder deutsche Altstars nach Berlin holen.