Das Honorarangebot von 50 000 Dollar war verlockend genug: 1958 erklärte sich Jean-Paul Sartre bereit, für den Hollywood-Regisseur John Huston das Drehbuch zu einem Freud-Film zu schreiben, obwohl er den Erfinder der Psychoanalyse weder gut kannte noch sonderlich schätzte. Sartre lieferte einen Entwurf, dann ein erstes Drehbuch, das Huston zu lang fand, sowie ein noch längeres zweites - die Zusammenarbeit gedieh nicht. Von einem Aufenthalt in Hustons Landhaus in Irland schickte Sartre an Simone de Beauvoir eine boshafte Beschreibung des Regisseurs, der dort mit kindlichem Stolz nach Gutsherrenart hofhielt und vor jeder ernsthaften Diskussion weglief. Angesichts des Drehbuchs, das dann in Hollywood aus seinen beiden Versionen zusammengebraut wurde, zog der Autor seinen Namen zurück. Nun sind Sartres Filmentwürfe, insgesamt fast 600 Seiten, in Frankreich erstmals publiziert worden und lassen erkennen, daß diese Hollywood-Brotarbeit Sartre zu einer intensiven, sein Spätwerk prägenden Auseinandersetzung mit Freud geführt hat: Seine Kindheits-Autobiographie »Die Wörter« wäre ohne sie nicht denkbar gewesen, und erst recht nicht seine monumentale Flaubert-Analyse.
Dieser Ausdruck wurde am 18.10.2026 erstellt und ist ausschließlich für den persönlichen Gebrauch lizenziert.
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