Saure Drops - DER SPIEGEL
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Saure Drops

• aus DER SPIEGEL 42/1990
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Am Ende der Mailänder Modeparaden, Mitte letzter Woche, war es klar. Die Modemacher haben sich in die allerkürzesten Minis verbissen. Kein Rocksaum streifte bei den Sommerdefilees der Stardesigner auch nur entfernt ein Knie.

Allerdings wurden die Gefahrenzonen, Po und Bauch, gnädig verdeckt von langen Jacken, aus denen Röcke und Shorts gerade noch eine Handbreit hervorlugten. Die Jacken leuchteten in den schrillen Farben von sauren Drops (Grasgrün, Pink, Zitrone), in den Augen der Einkäufer ein fabelhafter Kundenfang.

Die provokantesten Minis lieferte Gianni Versace. Langhaarige Models spreizten ihre hochhackigen Beine unter den Chiffons von Babydollkleidchen in knappen Kitteln. Wie Kunstwerke glitzerten handgestickte Pailletten an Cat Suits. Versace läßt moderne Kunst für sich sammeln und dekoriert seinen neuen Laden in der Mailänder Via Napoleone mit Trophäen in Öl und Bronze.

Auch Gianfranco Ferre sparte nicht mit kostbaren Stickereien an Badeanzügen und Stretchbodys. Gelegentlich putzte er seine Minis auch mit Taft- und Organzawolken auf.

Karl Lagerfeld begnügte sich bei Fendi mit veredelten Strapsen - Honig für die Fotografen. Die International Herald Tribune fragte pikiert, ob »so was die Freundinnen dieser Herren im nächsten Sommer tragen sollen«.

Obwohl sie auf Blazer und Jacken spezialisiert sind, versuchten sich die Mailänder (Krizia und Armani) mutig an einem Comeback des Kleides. Sie kamen aber nur bis zu kleinen Hängern, Babydolls, Jackie-Kennedy-Trapezkleidern und anderen Reminiszenzen an die sechziger Jahre.

Dazu klapperten auch wieder die falschen Wimpern, die Blockabsatzsandalen und die Bambusgriffe an den alten Handtaschen, die Gucci stolz aus seinen Kellern hervorholte.

Die teuren Mailänder Modemacher (ab 5000 Mark für Besticktes) vertrauen weiter der Spruchweisheit, daß Reiche immer reich bleiben. Doch es beunruhigt sie, daß die New Yorker Kaufhausbosse erstmals nicht nach Mailand kamen. Und das, so das New York Magazin, »trotz des guten Essens«.

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