Schicker Landadel - DER SPIEGEL
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Schicker Landadel

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• aus DER SPIEGEL 37/1986
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Harmonisch lebt der Filmregisseur Eduard mit Charlotte, einer Schauspielerin, zusammen, doch als Otto, ein Drehbuchautor, erscheint und kurz darauf die Musikstudentin Ottilie auftaucht, geht die eben von Eduard und Charlotte geschlossene Ehe in die Brüche. Am Ende dieses Reigens bleiben Tote zurück und zwei, die sich gefunden haben. In »Tarot«, dem neuen Film des Kritikers und Regisseurs Rudolf Thome, sind die Namen der Figuren auf der Leinwand beziehungsreich: Eduard, Charlotte. Otto und Ottilie sind Goethes Roman »Die Wahlverwandtschaften« entsprungen. Und wie einst der deutsche Klassiker sein frivoles Experiment, so fasziniert beobachtet Thome in seinem Film das Spiel von der Anziehung und Abstoßung der Kräfte: Vier Kunstschaffende, ein schicker Landadel der Ralph-Lauren-Generation, haben sich in der grünen Idylle vor der Stadt vergraben. Elegisch durchstreift Charlotte (Vera Tschechowa) diese Harmonie, während das Nageln des Daimlers schon von fern das Nahen Eduards (Hanns Zischler) ankündigt. Selbstzufriedenheit, italienischer Wein und die französische Küche haben seine Züge geglättet, seiner Saturiertheit sucht er mit Schaffenswut zu begegnen. Deshalb hat er sich seinen Freund Otto (Rüdiger Vogler) ins Anwesen eingeladen. Um das drohende Ungleichgewicht der Geschlechter auszugleichen, holt sich Charlotte die scheue Nichte Ottilie (Katharina Böhm) ins Landhaus; elfengleich zupft sie die Gitarre. Man ißt zusammen, diskutiert, sieht Tennis im TV, liest stirnrunzelnd Balzac und verstrickt sich unaufhaltsam ins Netz der zwischenmenschlichen Beziehungen. Federleicht erhebt sich am Schluß die Kamera in lichte Höhen, schwenkt übers hufeisenförmige Gehöft, schaut dem Fluß nach, blickt über alle Wipfel und scheint so zu suggerieren, daß nichts von Dauer sei und Liebe nur ein chemischer Prozeß.

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