SCHLÄCHTER ODER HALBGOTT
wer war Josef Stalin? Hartmut Lange, 31, DDR-Emigrant und flinkster Dialektiker des deutschen Dramatiker-Trüppchens, führt den seligen Generalissimus in beiderlei Gestalt an die Rampe und überläßt es dem Betrachter, sich aus These und Antithese die Synthese zu zimmern: Im Einakter »Der Hundsprozeß«, einer Inquisitionsgroteske mit Lemuren, Kötern und katholischer Monstranz, wird ein edelkommunistischer »Statthalter« in Stahns Namen geschunden und gemeuchelt; im Einakter »Herakies« zeigt sich der Grusinier als hellenischer Halbgott, dem, »weil er zu große Hände hat« (Lange), neben großen Taten auch Totschläge unterlaufen. Das sprachgewaltige, scharf- und hintersinnige Einakter-Kombinat, von Hansgünther Heyme in Berlins Schaubühne am Halleschen Ufer mit Zirkus-Brio inszeniert, ergibt für Lange ein »annähernd realistisches Stalin-Bild": Der alte Stalin, der den Nationalkommunismus im Ostblock liquidierte, war ein »Konterrevolutionär«; und der junge Halbgott bestätigt nur, »daß Leute, die die Welt verändern, blutige Spesen machen«.