Bücher Schrecklicher Redner
Unter den Schreckensmännern der Französischen Revolution war er, der Tausende guillotinieren ließ, der schrecklichste. Doch nicht auf Ämterhäufung beruhte seine Allgewalt: Maximilien Robespierre (1758 bis 1794) hat Frankreich vornehmlich als Redner in Nationalversammlung und »Wohlfahrtsausschuß« domestiziert.
Der Volkstribun erredete sich Mehrheiten für die Abschaffung der Monarchie, des Feudalismus, des Zensuswahlrechts und die gleiche Erziehung für alle. Auch die Wiedereinführung der Todesstrafe wurde ihm bewilligt, einer Barbarei, gegen die er einst selber gewettert hatte. Den »Terror« konnte er zur »Sicherheit für die Unschuld« erklären lassen.
Dabei war Robespierre, die Textauswahl bringt es trotz flüssiger Übersetzung in Erinnerung, ein Rhetor von der ledernsten Sorte.
Wie er seinen Zuhörern dennoch wieder und wieder seinen Willen aufzwingen konnte, bis er 1794 nach einer ausnahmsweise improvisierten Parlamentsrede -- niedergestimmt und dem Schafott überantwortet wurde, das erklärt Carlo Schmid in der Einleitung so: Robespierre predigte, was in allen politisierten Köpfen geisterte -- Rousseaus Evangelium vom »Gemeinwillen« aller Tugendhaften.
Suggestiver noch: »Ich bin«, so sprach und glaubte er wahrhaftig, »der fleischgewordene Gemeinwille.« Das brachte dem kontaktscheuen Revolutionär, der Lustbarkeiten mied und sich die Langeweile lieber mit Häkeln vertrieb, den Beinamen ein: »Der Unbestechliche«.