»Schweinerock ist schrecklich« - DER SPIEGEL
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MUSIK »Schweinerock ist schrecklich«

Die Sängerin der Gießener Band Juli, Eva Briegel, 25, über die Quote für deutsche Musik im Radio und die Kunst, in der Muttersprache zu singen
• aus DER SPIEGEL 42/2004
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SPIEGEL: Frau Briegel, Ihre erste Single »Perfekte Welle« hat es auf Platz vier der Hitparade geschafft, das Album »Es ist Juli« in der Vorwoche auf Platz drei. Ende des Monats beginnt Ihre Deutschland-Tournee. Brauchen Sie denn bei so viel Erfolg eine Deutschquote?

Briegel: Nein. Die Radiostationen suchen doch händeringend nach deutschen Acts, die sie spielen können. Die meisten Bands spielen aber diesen schrecklichen Achtziger-Jahre-Schweinerock, den ich fürchterlich finde. Früher gab es nichts außer Herbert Grönemeyer und Marius Müller-Westernhagen. Mit Bands wie Sportfreunde Stiller, 2raumwohnung oder Silbermond wird das langsam besser.

SPIEGEL: Würden Nachwuchsbands wie Juli mit der Quote nicht schneller bekannt werden?

Briegel: Das glaube ich nicht. Wenn die Quote kommt, dann wird eben mehr »Anton aus Tirol« und Matthias Reim gespielt. Und es wird US-Titel mit deutschen Übersetzungen geben. Dann haben wir Balladen von Britney Spears auf Deutsch.

SPIEGEL: Bis vor drei Jahren hieß Ihre Band Sunnyglade. Dann haben Sie sich von der englischen Sprache verabschiedet. Warum singen Sie jetzt auf Deutsch?

Briegel: Die Sehnsucht danach war immer schon da. Wir haben uns in der englischen Sprache nicht sehr wohl gefühlt, mussten immer mit Wörterbuch texten. Das war lästig. Aber wir konnten uns nicht vorstellen, dass Rockmusik auch auf Deutsch funktionieren kann. So wie Nena oder Pur wollten wir nicht klingen. Erst als wir in Berlin wirklich gute Deutsch singende Bands getroffen haben, waren wir überzeugt, dass moderne Rockmusik und deutsche Sprache zusammenpassen.

SPIEGEL: Haben die deutsche Texte auch Ihre Musik verändert?

Briegel: Früher waren wir schneller und lauter. Wir haben uns immer für Punks gehalten und sind jetzt selbst sehr überrascht, wie ruhig und melancholisch die Platte geworden ist.

SPIEGEL: Ist die deutsche Sprache also gar kein Erfolgsbremser?

Briegel: International ist sie das schon. Wir werden wohl nie durch die USA touren oder in London spielen. Aber hier ist die deutsche Sprache auf jeden Fall ein Pluspunkt. Wir bekommen viel mehr Rückmeldungen zu unseren Texten. Die Leute identifizieren sich damit. Ich werde nie mehr englische Texte schreiben.

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